1916 - Blinde Veteranen

Ausführliche Bildbeschreibung 1. Abbildung:

Die Fotographie eines Mannes, aufgenommen in einem Atelier. Vor einer gemalten angedeuteten Sommerlandschaft sitzt auf einem gedrechselten Hocker ein vielleicht dreißigjähriger Mann in schlichter Uniform ohne Abzeichen, auf dem Kopf eine Schirmmütze mit Kokarde. Er wirkt ernst, ein wenig melancholisch. Die Beine hat er übereinandergeschlagen, die Hände liegen leicht gefaltet auf seinem Schoß. Er hält einen geraden dünnen Stab senkrecht vor sich, außerdem eine Hundeleine. Links neben ihm sitzt ein schwarzer Schäferhund mit großen hoch aufgerichteten Ohren und weichem, glänzendem Fell, um Hals und Brust ein Ledergeschirr. Beide, Herr und Hund, schauen dem Betrachter ruhig entgegen. In der linken unteren Ecke des Fotos ist der Name des Ateliers eingestanzt: Gustav Tahl Osternburg.

Bildunterschrift:

Im Oktober 1916 übergab der Deutsche Verein für Sanitätshunde  den ersten systematisch ausgebildeten Blindenführhund an den Kriegsblinden Paul Feyen.

Ausführliche Bildbeschreibung 2. Abbildung:

Ein historisches Schwarzweißfoto: Auf einer breiten staubigen Straße reitet ein Trupp Soldaten auf ein Dorf zu. Ihm folgen in lockerer Formation sieben Männer in Uniform, eine weiße Armbinde am linken Arm, mit Tornistern, Wasserflaschen und Bajonetten am Koppelzeug. Jeder führt an seiner linken Seite einen Schäferhund an der Leine. Die Spitze des Zuges hat schon die ersten, von Bäumen umstandenen Gebäude erreicht, wo eine Gruppe von Dorfbewohnern steht.

Bildunterschrift:

Mehr als 30.000 Hunde dienten im Ersten Weltkrieg an der deutschen Front als Wächter, Meldeläufer oder Sanitätshelfer.

Blinde Veteranen – Im ersten Weltkrieg suchten Sanitätshunde die Kampffelder nach Verwundeten ab. Ausgebildet wurden die Hunde vom Deutschen Verein für Sanitätshunde (gegründet 1893) im Großherzogtum Oldenburg. Bereits während des Kriegs setzte sich dessen Vorsitzender, Geheimrat Dr. Heinrich Stalling, für die systematische Ausbildung von Hunden zu Führzwecken ein. Der Bedarf an „Blindenführern“ war da: Durch den Einsatz von Giftgasen, Schussverletzungen und Explosionen verloren mehr als 3.000 Soldaten ihr Augenlicht auf dem Schlachtfeld.

Blind-Sein – Das Sehen gilt im Allgemeinen als der wichtigste Sinn des Menschen. Unsere gesamte Umwelt ist voller Informationen, die überwiegend visuell wahrgenommen werden können. Dies führt zu erheblichen Einschränkungen und Risiken im Alltag blinder und sehbehinderter Menschen. Touchscreens oder z.B. auch Sensortasten, die in modernen Geräten Verwendung finden, Straßenschilder und Wegweiser sind unbrauchbar. Die Orientierung fällt vor allem in fremder Umgebung schwer und die Mobilität ist eingeschränkt. Auch soziale Probleme können auftreten, wenn der blinde oder sehbehinderte Mensch ein freundliches Zunicken nicht sieht und deshalb nicht zurückgrüßt. All dies erschwert eine unabhängige, selbstbestimmte und teilhabende Lebensführung.

Ausführliche Bildbeschreibung 3. Abbildung:

Es handelt sich um eine graphische Darstellung in Form eines Tortendiagramms zu den Ursachen von Blindheit in Deutschland. Verschieden große Tortenstücke zeigen den prozentualen Anteil bestimmter Krankheiten an.
Mit 50 % besetzt Altersabhängige Makuladegeneration das größte Segment. Glaukom folgt mit 18 %. Nahezu ebenso groß ist das Segment für Diabetische Retinopathie - 17 %.  Vier wesentlich kleinere Tortenstücke nennen weitere Ursachen: Grauer Star 5 %, Hornhauttrübungen 3 %, Erblindung in Kindheit 2,5 % und andere Ursachen 4,6 %.

Tortendiagramm Ursachen von Blindheit
Bild: D. Puzberg
Am Beispiel einer Straßenszene unterschiedliche Stadien von Sehvermögen in Prozent
Bild: ABSV/Rändel

Ausführliche Bildbeschreibung 4. Abbildung:

Eine Serie von vier Bildern zeigt am Beispiel des Bildausschnitts einer Straßenszene unterschiedliche Stadien von Sehvermögen: 100 %, ca. 30 %, ca. fünf %, und Sehrest von ca. zwei %.
Auf dem ersten Bild der Serie sieht man deutlich die vordere Hälfte eines Fahrrads, das an einem Zaun lehnt. Vorderrad und Lenker ragen in einen klein gepflasterten Gehweg und versperren ihn gut zur Hälfte. Am rechten Gehwegrand stehen Stühle und ein Tisch eines Gartenlokals auf einem grasgrünen Bodenbelag. Im Bildhintergrund verläuft quer der Bürgersteig einer schmalen Straße und am Bordstein ist ein türkisfarbenes Auto geparkt.
Auf dem zweiten Bild ist der Fahrradreifen noch unscharf zu erkennen, der grüne Bodenbelag ist als Kontrast zum grauen Pflaster, die Stühle sind als verschwommene Schatten wahrnehmbar. Farbe und Konturen des Autos im Hintergrund sind undeutlich zu erkennen.
Auf dem dritten Bild ist das Fahrrad als solches nicht mehr zu erfassen. Links erscheint der Zaun als dunkler Schatten, rechts ein Fleck  verschwommenes Grün, im Hintergrund vage ein blaugrüner Fleck.
Das vierte Bild ist einheitlich hellgrau ohne Kontraste und jegliche Farben.

Bildunterschrift:

Viele Dinge, wie dieses Fahrrad, fallen sehenden Menschen gar nicht auf. Sie gehen automatisch darum herum. Für einen blinden oder sehbehinderten Menschen stellt dies ein Hindernis dar, welches auch mit dem Langstock nicht gut zu erfassen ist. Unfall- und Verletzungsgefahr sind die Folgen. In den Abbildungen sehen Sie eine vereinfachte Darstellung.

Von rechts nach links:
Sehvermögen 100%
Sehvermögen ≤ 30 % = sehbehindert
Sehvermögen ≤ 5 % = hochgradig sehbehindert = Anspruch auf Führhund
Sehvermögen ≤ 2 % = Blind im Sinne des Gesetzes. = Anspruch auf Führhund

Hindernis Baustellenschild auf Gehweg
Bild: DBSV/A. Friese

Ausführliche Bildbeschreibung 5. Abbildung:

Das Schwarzweißfoto einer Nebenstraße, die von drei- und vierstöckigen Mehrfamilienhäusern gesäumt wird. Einige dünnstämmige, kahle Bäume stehen auf den Bürgersteigen, an der linken Straßenseite parkt ein Auto.  Davor - auf der Fahrbahn - steht eine quergestreifte kniehohe Warnpyramide. Auf dem Stück Gehweg im Bildvordergrund  läuft ein junger Mann in dunklem Anorak auf den Pfosten eines provisorisch aufgestellten Straßenschildes zu – ein Hinweis auf Bauarbeiten auf dem Gehweg. In seiner rechten Hand ein weißer Langstock, mit dem er an den ausladenden Fuß des Pfahls stößt.

Bildunterschrift:

Menschen, die „blind im Sinne des Gesetzes“ sind, sehen gar nichts oder haben vielleicht noch geringes Restsehvermögen. Sie werden von sehenden Menschen oft nicht als blind erkannt, weil sie zum Beispiel bei perfekten Lichtverhältnissen und in Teilen des Gesichtsfeldes manchmal noch Dinge erkennen können.

Hördatei Ausstellungstafel 2

Hier können Sie sich die Texte und Bildbeschreibungen als Hördatei im mp3-Format herunterladen. Es sprechen für Sie Sabine Häcker und Johannes Willenberg.