1916/1923 - Oldenburg / Potsdam

Ausführliche Beschreibung 1. Abbildung:

Titelblatt eines Buchs: am oberen Rand die handschriftlich angefügte Bibliothekssignatur: D 1920. 551

Der Text in antiquierten Druck:
Der Sanitätshund auf dem Schlachtfelde. Nach Berichten aus der Front. Preußische Staatsbibliothek Berlin
Herausgegeben vom deutschen Verein für Sanitätshunde.
Protektor: Se. Kgl. Hoh. (= seine königliche Hoheit) Großherzog Friedrich August von Oldenburg

Ausführliche Beschreibung 2. Abbildung:

Ein historisches Schwarzweißfoto:
Im winterlichen Vorgarten eines alleinstehenden Hauses stehen hintereinander aufgereiht fünf Männer in warmen Jacken und Baskenmützen auf dem Kopf. Sie schauen herunter auf den jeweils aufrecht neben ihnen sitzenden Hund und halten ihn an kurzer Leine.

Ausführliche Beschreibung 3. Abbildung:

Ein historisches Schwarzweißfoto:
Drei Männer in Anzug und Krawatte, zwei von ihnen tragen Hüte, schreiten durch ein Tor. Im Hintergrund eine Anlage mit Bäumen, Hecken und einem Pfad. Alle drei haben in der rechten Hand einen Spazierstock, mit der linken halten sie den Führbügel ihres Schäferhundes. Über dem Tor ein Schild mit großen Buchstaben: Blindenführhundstelle Potsdam.

Oldenburg / Potsdam – Der Grundstein zur systematischen Ausbildung von Blindenführhunden wurde 1916 in Oldenburg vom Verein für Sanitätshunde gelegt. Die ersten Verwundetensuchhunde wurden zu Blindenführhunden umgeschult und den Kriegsblinden kostenlos zur Verfügung gestellt. In den folgenden Jahren wurden auch Hunde an Zivilblinde abgegeben. Um die Nachfrage zu decken, wurden Hunderte Tiere ausgebildet, und nicht alle waren geeignet. Harte Dressurmethoden und kurze Ausbildungszeiten taten ein Übriges: Beschwerden über die Qualität der Ausbildung nahmen zu.

1923 eröffnete der Verein für Deutsche Schäferhunde in Potsdam auf Initiative des Reichsarbeitsministeriums eine Blindenführhundschule, die sich als direkte Konkurrenz zur Oldenburger Schule sah. Aufgrund erfolgreicher Ausbildungsmethoden gewann die Schule weltweite Anerkennung.

Blindenführhunde in alltäglichen Verkehrssituationen im Potsdam der 1920er-Jahre.

Ausführliche Beschreibung 4. Abbildung:

Ein historisches Schwarzweißfoto:
Ein großer freier Platz, auf den eine Allee mündet. Im Hintergrund einige Gebäude, ein paar Leute stehen herum. Ein kleiner Junge auf einem großen Fahrrad fährt auf den Betrachter zu. Mitten auf dem Platz steht ein älterer Herr im Anzug, eine Baskenmütze auf dem Kopf, in der rechten Hand einen dünnen Stab, in der Linken einen Führbügel. Neben ihm sitzt ein schwarzer Schäferhund.

Ausführliche Beschreibung 5. Abbildung:

Ein historisches Schwarzweißfoto:
Eine Straßenbahn steht auf einem leeren Platz. Im Hintergrund schemenhaft mehrere große Häuser, auf den Gehwegen davor viele Menschen. Ein Mann mit Hut in dunkler Jacke und hohen Stiefeln geht auf die Straßenbahn zu. Sein Schäferhund ist hinter ihm und widersetzt sich dem Vorwärtsgehen, so dass der Führbügel über seinen Kopf nach vorne gebogen wird und der linke Arm des Mannes nach hinten gestreckt ist.

Ausführliche Beschreibung 6. Abbildung:

Ein historisches Schwarzweißfoto:
Eine enge Straße, gesäumt von hohen dunklen Häuserfassaden. Auf der einen Seite eng hintereinander geparkte Autos, es sind einige Passanten unterwegs. Links im Bild befindet sich ein breiter Gehweg, der häuserseitig von zwei Absperrungsgestellen blockiert ist. Am Rand zur Fahrbahn kommt dem Betrachter ein hochgewachsener Mann in dunklem Mantel mit tief ins Gesicht gezogenem Hut entgegen. In der rechten Hand hat er einen langen dünnen Stock, links hält er den Bügel des Führgeschirrs seines Blindenhundes. Der Schäferhund geht ganz nahe am Bordstein entlang.

Ausführliche Beschreibung 7. Abbildung:

Ein historisches Schwarzweißfoto:
Auf einem hölzernen Podest in einem Hof – im Hintergrund ein schattenhaftes Gebäude - steht ein kräftiger Mann mit Schnauzbart, bekleidet mit einem dunklen Anzug, Schnürstiefeln und Schirmmütze. Neben ihm sitzt mit aufmerksam gespitzten Ohren ein Schäferhund im Führgeschirr, dessen Bügel der Mann in seiner linken Hand hält. Mit dem Stock in seiner rechten Hand tastet er vorsichtig nach den Treppenstufen, die vom Podest herunter führen.

Notgeld vom Deutschen Verein für Sanitätshunde, Oldenburg, 1921

Oldenburger Notgeld mit Abbildungen von Führhunden in Alltagssituationen. Notgeld ersetzte fehlende gesetzliche Zahlungsmittel.

Ausführliche Beschreibung 8. Abbildung:

Ein Notgeldschein vom Deutschen Verein für Sanitätshunde, Oldenburg, 1921 im Wert von 50 Pfennig mit der Überschrift „Deutscher Führhund für Kriegsblinde“ zeigt drei Zeichnungen: in der Mitte das Brustbild eines Schäferhundes, um den Hals hat er eine Plakette mit einem roten Kreuz. Links und rechts davon zwei schwarze Schattenrisse: auf der einen Seite ein Mann auf einem Stuhl, vor ihm sitzt ein Schäferhund, der ihm seine Vorderpfoten auf die Knie legt. Auf der rechten Seite sieht man einen zügig ausschreitenden Mann, in Mantel und Schirmmütze, kräftig geführt von einem Hund im Führgeschirr.

Unter den Bildern folgender Text:
Die Ausgabe dieses Scheines ist von der Polizeikommission des Senats Bremen genehmigt. Er wird von der Commerz & Privatbank, Filiale Oldenburg jederzeit eingelöst und verliert seine Gültigkeit, wenn er nicht drei Monate nach erfolgter Aufrufung in den bremischen Zeitungen eingelöst wird. Deutscher Verein für Sanitätshunde Oldenburg i/O 1921.

Ausführliche Beschreibung 9. Abbildung:

Ein Notgeldschein, links und rechts der Wert Fünfzig – 50 – Pfennig angegeben, trägt die Unterschrift „ein Führer auf Stieg und Steig“. Ein Mann mit Führhund als Schattenriss sind darauf abgebildet. Er geht auf abwärts führende Stufen zu, mit dem Stock tastet er ins Leere. Am Führbügel zieht er seinen Hund hinter sich her, der die Vorderbeine in den Boden stemmt.
((Anmerkung der Redaktion: In den Zeichnungen wird der Hund tatsächlich rechts geführt. Hält der Mann den Stock wirklich in der linken Hand? Möglicherweise ist die Zeichnung fehlerhaft, weil der Hund ja i.d.R. links geführt.))

Ausführliche Beschreibung 10. Abbildung:

Ein Notgeldschein ebenfalls im Wert von 50 Pfennig mit der Unterschrift „Ein treuer Wegweiser“ zeigt als Schattenriss einen Mann mit Führhund im Geschirr, der seinen Herrn an Hindernissen vorbei führt.

Ausführliche Beschreibung 11. Abbildung:

Auf dem 50-Pfennig-Notgeldschein mit der Unterschrift „Ein Führer zur Arbeit fürs tägliche Brot“ sieht man einen Platz, der von einem hohen fensterlosen Gebäude mit Schornsteinen gesäumt wird. Am linken und rechten Bildrand je eine Gaslaterne. Im Hintergrund zwei Gestalten, die weit ausschreiten. Vorne der schwarze Schattenriss eines Mannes in Mantel und Mütze, der von seinem Hund geführt wird.

Führleistungen – Blindenführhunde erbringen eine außerordentliche Leistung. Sie helfen, belebte Straßen zu überqueren, weichen Hindernissen aus und umgehen Fußgänger. Sie müssen nicht nur einen Weg wählen, einzelne Hindernisse unterscheiden können und sich an trainierte Situationen erinnern, sondern auch in der Lage sein, vorausschauend Hindernisse einzuschätzen. Sie suchen auf entsprechende Hörzeichen verschiedenste Ziele wie Fußgängerüberwege, Treppen und Türen, führen zu häufig angelaufenen Orten und vieles mehr.

Ausführliche Beschreibung 12. Abbildung/Grafik:

Über den grauen Schattenriss eines Schäferhundes ist folgender Text geschrieben:
Anzahl der Führgespanne in Europa
Belgien 175, Dänemark 250, Deutschland 2100, Finnland 209, Frankreich 1500 Italien 1000, Niederlande 700, Norwegen 300, Österreich 250, Polen 120, Schweiz 350, Spanien 1013, UK 4770
Gesamt Europa 14.299

Bildunterschrift:

Die European Guidedog Federation (EGDF) hat in ihrer Jahreshauptversammlung 2015 die geschätzte Anzahl der Führgespanne in den europäischen Ländern vorgestellt.

Ausführliche Beschreibung 21. Abbildung:

Ein Farbfoto:
auf einem Gehweg führt der schwarze Flat Coated Retriever den Mann im rot orangenen Anorak mit dem grauem Haar und dem kurzem Vollbart zwischen zwei Gartenstühlen hindurch. Ein übereinandergeschlagenes Beinpaar behindert den Durchgang. Von rechts ragt der Teil eines grünen Sonnenschirms ins Bild. Der Hund mit dem weichen langen Fell führt zielstrebig voran. Im Hintergrund sieht man die Ecke eines Hauses. Eine Laterne mit einer Bierreklame hängt über der offen stehenden Tür. Daneben befindet sich ein parkartiges Gelände mit einem hohen Metallzaun zur Straße.

Ausführliche Beschreibung 13. – 18. Abbildung:

= eine Serie von acht schwarzweißen Fotografien, die typische Situationen mit Führhundgespannen zeigen, jeweils zwei Fotos untereinander.

13. Abbildung

Ein junger in Anorak, Jeans und Sneakers gekleideter Mann steht zusammen mit seinem Führhund, einem blonden Labrador im offenen Eingang zu einem Supermarkt. Die offene Türe wird von zwei breiten hellroten Streifen markiert, die nachträglich in das Foto eingefügt wurden.

14. Abbildung

Eine junge Frau in Jeans und heller Jacke betritt mit ihrem schwarzen Labrador im Führgeschirr ein Buswartehäuschen. Der Hund zeigt mit der Schnauze einen freien Platz auf der Bank an. Darauf wurde ein hellroter Fleck fotomontiert.

15. Abbildung

Ein junger Mann in dunklem T-Shirt und Jeans steht vor einem Ampelmast am Bordstein einer Straße. Sein blonder Labrador, den er locker am Bügel des Führgeschirrs hält, sitzt neben ihm, direkt vor der Bordsteinkante. Für das Foto wurde sie hellrot eingefärbt.

16. Abbildung

Ein junges Mädchen mit einem weißen Schäferhund im Führgeschirr geht auf einem Bahnsteig auf die tiefer liegenden Gleise zu. Der Hund hat sich quer zu ihr vor das Gleisbett gestellt. Der Streifen vor den Gleisen wurde auf dem Foto mit roter Farbe übermalt.

17. Abbildung

Eine Frau mit blonden langen Haaren tritt gerade von einem Bordstein hinunter auf die Straße. Ihr Führhund, ein Golden Retriever, steht schon mit den drei Pfoten auf dem Zebrastreifen, der nachträglich rot eingefärbt wurde.

18. Abbildung

Eine kurzhaarige Frau in Jeans und T-Shirt steht vor einem Ampelmast an einer Straße und berührt das Signalkästchen. Ihr blonder Labrador im Führgeschirr sitzt bei Fuß und hat den Kopf dem Kästchen zugewendet. Das Kästchen wurde nachträglich rot markiert.

19. Abbildung

Auf einem Parkweg führt ein weißer Schäferhund eine junge Frau durch den engen Durchgang zwischen einem Geländer und einer Schranke. Die Schranke wurde auf dem Foto rot markiert.

20. Abbildung

Vor einer Unterführung verhindern zwei gegenläufig angebrachte Geländer einen geraden Durchgang. Ein Mann im Anorak mit grauem Haar und kurzem Vollbart hat einen Blindenstock in der Rechten. Die linke Hand hält den Führbügel seines schwarzen Flat Coated Retrievers. Mit Schwung passiert das Gespann das Hindernis. Die Geländer Teile sind nachträglich rot markiert worden.

verschiedene Bilder von Menschen mit Führhunden, ausführliche Beschreibung im Text
Bilder: DBSV/ A. Peters, D. Morath

Hördatei Ausstellungstafel 4

Hier können Sie sich die Texte und Bildbeschreibungen als Hördatei im mp3-Format herunterladen. Es sprechen für Sie Sabine Häcker und Johannes Willenberg.