1930 - Wissenschaft trifft Praxis

Ausführliche Beschreibung 1. Abbildung:

Eine technische Zeichnung von einem dreirädrigen Trainingswagen, auf das eine senkrechte Latte montiert ist. Vor diese Karre ist ein schematisch dargestellter Hund mit einem Geschirr in eine Deichsel eingespannt. Eine gestrichelt gezeichnete waagerechte und eine senkrechte Linie dahinter geben die Höhe und die Länge der Konstruktion an: 175 cm hoch bzw. 170 cm lang.

Ausführliche Beschreibung 2. Abbildung:

Das Schwarzweißfoto eines kurzhaarigen hellen Schäferhundes, der vor einer Art Trainingswagen gespannt ist. Sein Führgeschirr ohne Bügel ist rechts und links mit einer Deichsel verbunden. Daran hängt eine hölzerne, roh zusammengezimmerte Kiste auf zwei Rädern. Auf die Holzkiste ist ein hochragendes Gestell aus drei Längslatten und einer Querlatte montiert. Hund und Wagen stehen auf einem von Rasen und Bäumen umgebenen Feldweg.

Ausführliche Beschreibung 3. Abbildung:

Das Schwarzweißfoto eines Wagengestells auf drei Rädern, in dem ein dunkel melierter, langhaariger Schäferhund steht. Über der Hinterachse mit zwei Rädern ragt eine mannshohe Konstruktion aus gebogenen Metallrohren empor.
Der Hund befindet sich in einem zum Rechteck gebogenen Rohr, das ihn in Bauchhöhe umgibt. An einem Brustgeschirr ist ein Zugriemen befestigt, der mit dem Gestänge verbunden ist.
Hund und ihn umgebendes Gefährt stehen auf einem Waldweg in einem Kiefernhain.

Ausführliche Beschreibung 4. Abbildung:

Die schematische Zeichnung des Wagens, wie er auf der vorhergehenden Fotografie zu sehen ist. Unterschrift: Konstruktion des Führhundwagens mit „künstlichem Menschen“, System Brüll nach v. Uexküll-Sarris.

Bildunterschrift:

Die zur Ausbildung verwendeten Wagen gehen zurück auf einen Entwurf von Dr. Heinz Brüll (Abb. 1). Er war Schüler von Uexküll und Sarris und entwickelte deren Modell weiter. Der Wagen entspricht in seinen Abmessungen einem zu führenden Menschen („erweiterter Umweltbegriff”). Die Arbeit mit dem „künstlichen Menschen“ ermöglichte es, den Einfluss des Ausbilders immer weiter zu verringern und den Hund zur selbständigen Arbeit anzuhalten.

Wissenschaft trifft Praxis – Am 26.11.1930 wurde in Berlin die Gesellschaft für Hundeforschung gegründet, deren Satzung eine intensive Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis vorsah, um die Leistungen des Hundes zu steigern. Der Biologe und Leiter des Hamburger Instituts für Umweltforschung, Jakob von Uexküll, und sein Mitarbeiter Emanuel Sarris waren Teil des Teams und sollten in den folgenden Jahren beachtliche Erfolge in der Hundeforschung und der Blindenführhundausbildung erzielen. Im Fokus ihrer Arbeit standen der „erweiterte Umweltbegriff” und die Förderung des Problemlösungsverhaltens des Hundes.

Ausführliche Beschreibung 5. Abbildung:

Eine einfache Skizze: ein Weg ist angedeutet, der in einer Spitzkehre nach rechts abbiegt. Vor der scharfen Kurve steht ein Hund im Trainingswagen, hinter der Kurve ein Mann. Vom Hund aus führen zwei gestrichelte Linien auf den Menschen zu. Eine direkte, quer über den durch kleine Striche angedeuteten Rasen, die andere folgt dem Verlauf des Weges um die Kurve.

Bildunterschrift:

Der Hund muss lernen, nicht instinktiv die Abkürzung über den Rasen zu nehmen, sondern auf dem vorher trainierten Weg zu bleiben.

Ausführliche Beschreibung 6. Abbildung:

Ein skizzierter Plan von einem Hindernisparcours. Auf den verschlungenen Wegen findet man eingezeichnete bzw. benannte Hindernisse wie: Treppe, Schranke, Löcher im Weg, großer Stein, mehrere Stufen, Graben mit versetzbarer Brücke, großes Loch im Weg, Stangen usw.
Die Unterschrift dieser Skizze lautet: „Beispiel eines Planes für den Brüll´schen Hindernisgarten“.

Bildunterschrift:

Dieser Hindernisgarten konfrontierte den Hund mit verschiedensten Hindernissen wie Gebüschgruppen, Bänke, Tore oder Tische. Schwierigster Teil: Die Hunde mussten Hindernisse berücksichtigen, die für sie eigentlich keine Bedeutung haben, wie Engpässe oder Höhenhindernisse.

Ausführliche Beschreibung 7. Abbildung:

Das Schwarzweißfoto zeigt zwei parallel verlaufende, frisch gepflasterte Gehwege in einer sandigen, kahlen Gartenanlage. Links und rechts der Wege ein paar neu gepflanzte Sträucher, im Hintergrund ein kleines Holzhaus. Auf den gepflasterten Bahnen stehen, in einigem Abstand voneinander, fünf Männer in Wintermänteln und mit Mützen. Deutlich sichtbar trägt der im Vordergrund Stehende eine helle Binde mit drei schwarzen Punkten am linken Arm. Alle fünf haben einen Führhund im Geschirr neben sich, Schäferhunde. Vor den jeweiligen Gespannen sind Hindernisse aufgebaut u. a eine Kette, eine Querlatte, eine schräg über den Weg gestellte Stange.

Ausführliche Beschreibung 8. Abbildung:

Einem blonden Labrador wird ein Klicker entgegengehalten
Bild: DBSV/Anna Senkel

Ein Farbfoto: vor einer hellbraunen Holzwand der Kopf eines blonden Labradors. Er reckt mit aufmerksamen Blick Hals und Schnauze einer ausgestreckten Hand entgegen, die dem Hund ein schwarzes ovales Kästchen mit einem gelben Druckknopf, einen "Klicker", entgegen hält.

Modernes Hundetraining – Moderne Führhundausbildung funktioniert über „positive Verstärkung“. Im Fokus stehen dabei die intakte Kommunikation zwischen Mensch und Tier und das partnerschaftliche Miteinander. Die Methode geht zurück auf die Psychologen B. F. Skinner und Edward Thorndike. Der Führhund lernt, dass erwünschtes Verhalten belohnt wird. Bei Fehlern bleibt die Belohnung aus. Damit der Hund viele Belohnungen und Erfolgserlebnisse hat, werden die komplexen Lernaufgaben in einzelne aufeinander aufbauende und immer schwerer werdende Lernschritte zerlegt. Das Verhalten wird „geformt“ (shaping). Im Fokus des Trainings steht heute nicht mehr, falsche Verhaltensweisen zu bestrafen, sondern richtiges Verhalten zu fördern.

Ausführliche Beschreibung 9. – 12. Abbildung - eine Serie von 4 Farbfotos:

9. Abbildung

Auf dem Gehweg neben einer Straße nähert sich ein junger blonder Labrador einem Ampelmast. Er ist angeleint. Eine Person in Jeans und hellgrauer Jacke beugt sich nach unten und hält dem Hund mit ausgestrecktem Arm ein Target, ein grünes Papierblättchen, vor die Nase. Aufmerksam schaut der Labrador in die Richtung.

10. Abbildung

Dieselbe Umweltsituation. Der Hund wieder an der Leine, trägt jetzt aber auch ein Führgeschirr. Er berührt das grüne, vor ihn hingehaltene Blättchen mit der Nase.

11. Abbildung

Das grüne Target klebt in Schnauzenhöhe am Ampelmast. Der Hund berührt es mit der Nase. Die Person in der hellgrauen Jacke steht hinter ihm und hält ihn am Führbügel. Auf der Straße fährt ein Auto nach rechts vorbei.

12. Abbildung

Am Ampelmast klebt kein Target mehr. Der Labrador berührt die Stelle mit der Nase, er zeigt die Ampel an. Die Person in der hellgrauen Jacke steht hinter ihm und hält ihn am Führbügel. Auf der Straße fährt ein Auto vorbei, diesmal in die entgegengesetzte Richtung.

Bildunterschrift:

Die Gesamtaufgabe in kleine Lernschritte zerlegt: Ein Target (Zielfläche) wird in der Hand gehalten. Der Hund lernt, auf ein Signal hin das Target mit der Nase zu berühren.
Im nächsten Schritt klebt das Target an einem Ampelmast und der Hund berührt es auf sein gelerntes Signal hin mit der Nase. Schließlich kann das Target weg gelassen werden. Der Hund hat gelernt, auf Signal die Ampel anzuzeigen, indem er seine Nase an den Ampelmast hält.

Hördatei Ausstellungstafel 5

Hier können Sie sich die Texte und Bildbeschreibungen als Hördatei im mp3-Format herunterladen. Es sprechen für Sie Sabine Häcker und Johannes Willenberg.