Zehn Bitten eines Führhunds

Zehn Bitten eines Führhunds – Seit 1930 erscheinen die „10 Bitten der Blindenführhunde“ immer wieder. Die meisten der Bitten sind zeitlos. Vor allem der Wunsch nach einem angemessenen und respektvollen Umgang mit den Führhundgespannen ist heute so aktuell wie damals. Aber auch die fortlaufende Aufklärung der sehenden Bevölkerung ist wichtig. Ein sehender Mensch muss wissen, dass ein Führhundgespann bei seiner Zusammenarbeit nicht gestört werden darf, weil das Führen im heutigen Verkehr eine anspruchsvolle Arbeit ist. Man kann jedoch durchaus Hilfe anbieten, etwa indem man das Vorlesen eines Fahrplans vorschlägt, oder bei der Überquerung einer Ampelkreuzung. Der Hund kann zwar die Ampel anzeigen, aber die Farben nicht deuten.

10 Bitten von Führhunden, ausführliche Beschreibung im Text
Bild: Nachrichten Westf. Blindenverein e.V., 1930

Ausführliche Beschreibung 1. Abbildung:

Ein Text in altdeutscher Druckschrift aus dem Jahr 1930:
10 Bitten der Blindenführhunde.
(Plakate zum Aushängen)

Um unseren mit Führhunden oder alleingehenden Blinden das Fortkommen und Zurechtfinden auf der Straße zu erleichtern, ist beabsichtigt, Plakate in der Größe 30 x40 cm, an verkehrsreichen Stellen – Bahnhöfen, Post, Wartezimmern, Anschlagsäulen und dgl. – auszuhängen. Die Plakate bezwecken in erster Linie, die breite Oeffentlichkeit auf Blinde aufmerksam zu machen und ihnen darüber Auskunft zu geben, wie sie sich Blinden mit Führhund gegenüber verhalten sollen. Auf dem Plakat befindet sich oben links eine Abbildung „Blinder mit Führhund“, daneben mit großen Buchstaben „Blindenführhund“, darunter 10 Bitten des Hundes:

  1. Streichelt uns nicht! Ihr lenkt uns ab und erschwert unsere Arbeit.
  2. Lockt uns nicht! Wir müssen, wo es auch sei, bei unserem Herrn bleiben.
  3. Füttert uns nicht! Wir dürfen nur unseren Herrn lieben. Von ihm erhalten wir Nahrung und Leckerbissen genug.
  4. Helft unserem Herrn durch Zurufe, nicht durch Anfassen oder Führen!
  5. Achtet auf eigene oder andere Hunde, daß wir von ihnen nicht belästigt werden!
  6. Macht die Straße frei! Achtet auf unsere Herren, die Blinden!
  7. Geht aus dem Wege! Anstoßen verwirrt und erschreckt unsere Herren.
  8. Belästigt uns nicht durch Neugierde! Neugierde verletzt.
  9. Wir danken euch für jede Hilfe, besonders für die Erfüllung dieser unserer Bitten.
  10. Beschwerde über uns bringt bei den Organisationen, den Blindenvereinen an.

Unten ist das Verkehrsschutzzeichen für alleingehende Blinde, ein gelber Streifen mit drei schwarzen Punkten, dargestellt.
Die Plakate können kostenlos durch die Geschäftsstelle des Westfälischen Blindenvereins, Dortmund, Kreuzstr. 4, bezogen werden.

Bildunterschrift:

Die 10 Bitten eines Führhundes stammen aus dem Jahr 1930. In den „Nachrichten des Westfälischen Blindenvereins e.V.“ wird angekündigt, dass die „10 Bitten der Blindenführhunde“ als Plakatkampagne die sehende Bevölkerung auf blinde Mitbürger aufmerksam machen und den angemessenen Umgang mit den Blinden und ihren Hunden vermitteln sollen.

Ausführliche Beschreibung 2. Abbildung:

Ein Farbfoto von einem Fußgängerübergang in einer Großstadt. Im Hintergrund eine enge Straßenschlucht, rechts und links hohe Geschäftshäuser. Im Vordergrund eilen viele Menschen über die Straße. In die Dämmerung werfen Reklameschilder, sich in Fenstern spiegelnde Scheinwerferlichter, erleuchtete Büroräume ihr helles Licht. Die ganze Szene ein flimmerndes, farbiges Durcheinander. Die Silhouetten der Häuser, die vorbei hastenden Personen, die Straße, alles ist unscharf.

Ausführliche Beschreibung 3. Abbildung:

Das Farbfoto zeigt einen Straßenausschnitt mit Zebrastreifen von oben gesehen. Mehr als dreißig Menschen sind auf dem Zebrastreifen und dem angrenzenden Gehweg unterwegs. Die weißen Streifen heben sich deutlich vom dunkelgrauen Asphalt ab. Vor dem Bordstein liegen vereinzelte gelbe Herbstblätter herum, noch nicht getrocknete Pfützen bilden dunkle Flecken. Das Foto fängt die Bewegungen der schemenhaft oder verwischt dargestellten Passanten ein.

Ausführliche Beschreibung 4. Abbildung:

Ein blonder Labrador im Führgeschirr eilt schnellen Schritts über eine Straße. Er kommt von rechts ins Bild gelaufen. Seine Halterin hat den Führbügel locker in der rechten Hand, den weißen Langstock hält sie vor sich. Von ihr sind nur die Beine in dreiviertellanger, roter Hose und die Füße in weißen Turnschuhen zu sehen. Im Hintergrund warten an der Haltlinie Autos in Dreierreihe darauf, loszufahren. Ein sehr dynamisch wirkendes Foto.

Hördatei Ausstellungstafel 6

Hier können Sie sich die Texte und Bildbeschreibungen als Hördatei im mp3-Format herunterladen. Es sprechen für Sie Sabine Häcker und Johannes Willenberg.