1975 - Orientierung & Mobilität

Ausführliche Beschreibung 1. Abbildung:
Das triste Schwarzweißfoto zeigt den Bürgersteig einer belebten Großstadtstraße in der Nachkriegszeit. Der breite Gehweg wird auf der rechten Seite von einem langgestreckten, einstöckigen Gebäude mit vielen Fenstern begrenzt. Auf der anderen Straßenseite erscheinen im trüben Licht mehrere Wohn- und Geschäftshäuser.
Im Vordergrund überquert ein älterer Mann die regennasse Straße. Am linken Ärmel seiner ausgebeulten Jacke trägt er eine Armbinde. Strammen Schritts schreitet er voran, seine zu weite Hose schlabbert ihm um die Beine. Auf dem Kopf hat er einen Hut. In der rechten Hand hält er einen Spazierstock, in der Linken Führbügel und Leine. Sein Schäferhund zieht ihn heftig nach vorne. Der Gesichtsausdruck des Mannes ist angespannt.
Hinter ihm befindet sich eine große Anzahl von Passanten, die gerade vom Bordstein herunter auf die Straße treten, alle in Wintermänteln, die Männer haben Hüte oder Kappen auf.

Ausführliche Beschreibung 2. Abbildung:
Auf der Schwarzweißaufnahme ist ein fast leerer breiter Gehweg an der Einmündung in eine Querstraße zu sehen. Rechts von kahlen Bäumen flankiert, links von bürgerlichen Wohnhäusern. Vor dem Bordstein zur Querstraße steht ein dandyhaft gekleideter junger Mann und tastet mit einem Spazierstock am Bordstein entlang. Er hat eine Ballonmütze auf dem Kopf, über weißem Hemd mit Krawatte trägt er eine eng anliegende lange Jacke über Knickerbockern, Wickelgamaschen und feinen Schnürstiefeln. Er hat eine Pfeife im Mund.
Er schaut herunter zu seinem Schäferhund, den er an Leine und Führbügel hält und der sich, die Vorderbeine fest auf den Boden gestemmt, sträubt, weiter zu gehen.

Ausführliche Beschreibung 3. Abbildung:
Ein Schwarzweißfoto. Ein Mann und eine Frau überqueren den Zebrastreifen einer sehr breiten Straße. Die dunkelhaarig gelockte Frau in Rock und Kostümjacke trägt eine schwarze Brille. In der linken vorgestreckten Hand hält sie einen schlabberigen, ledernen Führriemen und die Leine ihres Führhundes, eines schwarzen Schäferhundes mit hellen Beinen. In der rechten Hand führt sie einen weißen Taststock mit sich. Ihr Begleiter mit dunkler Schmachtlocke und langen Koteletten trägt über der dunklen Hose eine Blouson Jacke, darunter Hemd und Krawatte. Im Hintergrund der Straße zwei einstöckige Häuser mit Bäumen und Büschen davor.

Orientierung und Mobilität – 1975 fand in Marburg nach amerikanischem Vorbild der erste Kurs „Orientierung und Mobilität“ statt. O&M-Training hilft, sich im Straßenverkehr, im häuslichen Umfeld oder auch in fremder Umgebung sicher und selbständig fortzubewegen, Ziele mit Hilfe des weißen Langstocks und der nicht visuellen Sinne zu bestimmen sowie Sicherheit und Selbständigkeit wieder zu erlangen und zu erhalten. Heute ist das O&M-Training Voraussetzung für die Bewilligung eines Blindenführhundes „auf Rezept“, denn Führhunde sind keine Autopiloten. Damit das Gespann das Ziel erreicht, müssen sich Mensch und Hund ergänzen: Der Mensch kennt anhand seiner „inneren Landkarte“ den Weg und sagt dem Hund, welche Richtung einzuschlagen ist. Der Hund führt um Hindernisse herum, zeigt Bordsteinkanten, so dass der Mensch die Querstraßen wahrnimmt oder zeigt Ampeln, Eingänge oder andere markante Punkte, anhand derer sich der Mensch orientieren kann.

Ausführliche Beschreibung 4. Abbildung:
Das Farbfoto zeigt einen hellen Labradorretriever von hinten. Er trägt ein Halsband mit Leine und ein weißes Führgeschirr. Gut sichtbar das weiße Piktogramm Mensch mit Führhund auf blauem Grund. Der Labrador schaut aufmerksam nach rechts oben. Über dem Rücken des Hundes ruht der feste Führbügel locker in einer linken Hand. Daneben ein blaues Jeanshosenbein. Der Hund und sein Begleiter stehen auf einem mit Raureif bedeckten Waldstück.

Bildunterschrift: Die starre Verbindung über den Führbügel zum Hund ermöglicht, die Bewegungsrichtung des Hundes optimal zu spüren. Mit den Bewegungen des Hundes „verkantet“ sich der Führbügel in der Hand und verrät, wohin der Hund geht.

Ausführliche Beschreibung Grafik/Abbildung:
Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund am Beispiel einer Ampelanzeige:
Blau und grau eingefärbte Tabellenzeilen mit Text reihen sich abwechselnd untereinander wie ein Reißverschluss. Der Text in den Zeilen lautet:
Mensch (=blau) gibt Signal "Zeig Ampel"
Hund (=grau) schaut nach vorne, wo eine Ampel ist, senkt leicht den Kopf, den Blick auf den Ampelmast gerichtet, zieht stärker und führt zielstrebig Richtung Ampelmast.
Mensch (=blau) spürt am Führbügel, wie der Hund stärker nach vorne zieht. Das Zeichen, dass der Hund ein Ziel im Fokus hat.
Hund (=grau) verlangsamt das Tempo und bleibt direkt vor dem Ampel stehen. In Verlängerung seiner Nase ist der Ampelmast.
Mensch (=blau) spürt am Führbügel das Verlangsamen des Tempos und bremst sein Gehtempo ab, bis beide stehen.
Hund (=grau) verharrt in Position.
Mensch (=blau): Mit rechter Hand fühlt Mensch in Verlängerung der Hundenase nach vorne und findet den Ampelmast. Es folgt Lob und evtl. Leckerchen.

Ausführliche Beschreibung 5. Abbildung:
Auf einem in grau mit roten Streifen gepflasterten Vorplatz liegen einige zusammengefegte Schneehaufen herum. Dazwischen läuft in dunkler Winterjacke und Jeans ein hochgewachsener Mann mit graumeliertem, kurzem Haar. Er hält einen schwarzen Labrador am Führbügel. Im Hintergrund sieht man Häuser, Bäume, eine immergrüne Hecke und ein metallenes Eingangstor. Am linken Bildrand steht eine Frau in rotem Anorak.

Bildunterschrift: Einer von vielen Vorteilen des Führhundes ist, dass man mit ihm witterungsunabhängig zügig unterwegs ist: Während die Orientierung mit Langstock im Schnee sehr schwer fällt, führt der Führhund ganz entspannt auf den geräumten Wegen.

Ausführliche Beschreibung 6. Abbildung:
Ein weiß-rotes Rezeptblatt, ausgestellt auf den Namen Müller, Sabine, geb. am 10.6.70. Auf dem für die Verschreibung vorgesehenen Abschnitt steht in Handschrift „1 Blindenführhund bei Blindheit“. Daneben ein Stempel: Erik Allgaier, Facharzt für Allgemeinmedizin, Hausärztliche Versorgung, Sportmedizin, Betriebsmedizin, Bahnhofstraße 3, 12159 Berlin, Tel. 8512452, Fax 851 2429, darauf gekrakelt die Unterschrift des Arztes.

Bildunterschrift:
Der Führhund ist das einzige „Tierische Hilfsmittel“ im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenversicherung. Deshalb gibt es den Führhund auf Rezept.

Mann mit Langstock wird von Führhund durch zwei versetzte Gitter geführt.
DBSV/A.Peters

Ausführliche Beschreibung 7. Abbildung:
Am Ausgang einer Unterführung verhindern zwei gegenläufig angebrachte Geländer ein geradliniges Passieren. Der Mann in orangerotem Anorak mit den grauen Haaren und dem grauem kurzen Vollbart wird von seinem schwarzen Flat Coated Retriever durch das Hindernis geführt. In der rechten Hand hat der gut gelaunt wirkende Mann einen Langstock mit rotem Griff. Der Führhund mit dem glänzend schwarz gewellten Fell zieht seinen Halter dynamisch voran.

Hördatei Ausstellungstafel 8

Hier können Sie sich die Texte und Bildbeschreibungen als Hördatei im mp3-Format herunterladen. Es sprechen für Sie Sabine Häcker und Johannes Willenberg.