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17.01.12
Für blinde und sehbehinderte Menschen ist die Höhe des Bordsteins von zentraler Bedeutung. Schließlich ist es die Bordsteinkante, die im Straßenverkehr über die Sicherheit der Betroffenen entscheidet. Wer unbemerkt den Gehweg verlässt und die Fahrbahn betritt, kann in Lebensgefahr geraten. Und das passiert nur zu leicht, wenn der Bordstein auf Fahrbahnniveau abgesenkt ist. Solche Nullabsenkungen wiederum entsprechen den Wünschen von Rollstuhlfahrern. Als Kompromiss wurde in den 1990er Jahren eine Bordsteinhöhe von drei Zentimetern festgelegt. So kann die Kante einerseits von Langstocknutzern taktil erfasst und andererseits von den meisten Rollstuhlfahrern problemlos überwunden werden. Doch dieser Kompromiss hat an Akzeptanz verloren, zumal in den vergangenen Jahren die Zahl älterer Menschen, die einen Rollator nutzen, deutlich gestiegen ist. Als neuer Kompromiss wird seither die gesicherte Doppelquerung diskutiert. Hier wird der Bordstein nur über eine gewisse Breite auf Null abgesenkt, während Langstocknutzer, durch Bodenindikatoren geleitet, daneben auf die ursprüngliche Höhe treffen.
Die unterschiedlichen Anforderungen an Sicherheit und Mobilität haben zu einem uneinheitlichen Straßenbild geführt: Während es immer mehr Nullabsenkungen gibt, fehlt eine eindeutige Absicherung durch Bodenindikatoren und Kontraste. Oder aus Bauherrensicht gesprochen: Es gibt keine gültigen Standards zur Gestaltung barrierefreier Querungsstellen. Dieses Problem ist inzwischen von höchster Stelle erkannt worden: Um mehr Sicherheit für alle zu schaffen, hat das Bundesverkehrsministerium ein entsprechendes Forschungsprojekt gestartet. Das Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit (BKB) unterstützt dieses Projekt, indem es die Anforderungen mobilitätseingeschränkter Menschen wissenschaftlich untersucht.
Welche Erfahrungen machen blinde und sehbehinderte Menschen beim Überqueren von Straßen? Welche Probleme tauchen regelmäßig auf? Und welche Verbesserungsvorschläge gibt es? Mangels repräsentativer Daten zur Mobilität und Orientierung blinder und sehbehinderter Menschen läuft hierzu seit wenigen Tagen eine groß angelegte Umfrage unter der Federführung des DBSV. Die knapp 30 Fragen sind inhaltlich in vier Themenbereiche gegliedert: selbstständige Mobilität allgemein, Orientierungspunkte im Straßenverkehr, Hindernisse und individuelle Erfahrungen mit konkreten Querungsstellen. Bis zum 29. Februar sind blinde und sehbehinderte Menschen aufgerufen, sich an der Umfrage zu beteiligen. Anschließend werden die Daten ausgewertet und evaluiert, um in Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium zu Standards für die Gestaltung von Bordsteinformen und Bodenindikatoren sowie zu Empfehlungen für deren Einsatz an Überquerungsstellen von Hauptverkehrsstraßen zu gelangen.
Hinweise für blinde und sehbehinderte Leser von „dbsv-direkt“, die sich an der Umfrage beteiligen möchten:
www.bordsteinumfrage.dbsv.org ausfüllen.Ihre Teilnahme an dieser einzigartigen Umfrage, für die Sie ca. 45 Minuten einplanen sollten, ist dringend erforderlich. Machen Sie mit und tragen Sie dazu bei, die Sicherheit für blinde und sehbehinderte Menschen im Straßenverkehr zu erhöhen. Beteiligen Sie sich zahlreich, denn je höher die Beteiligung an der Umfrage, desto aussagekräftiger die Ergebnisse.