Fachtagung
„Kultur für alle - Museen und Ausstellungen barrierefrei für blinde und sehbehinderte BesucherInnen“
der Koordinationsstelle Tourismus des DBSV
am Freitag, den 15. Oktober 2010 bei der Stiftung Zollverein, Halle 6, Schacht XII [A6], Gelsenkirchener Straße 181, 45309 Essen
Wenn das Sehvermögen schlechter wird oder ganz verloren geht, werden oft die kleinsten Wege und Alltagssituationen zum Problem. Die Mobilität wird erheblich eingeschränkt und eine Orientierung ist nur unter großen Mühen möglich. Eine kulturelle Teilhabe dieser Menschen ist aufgrund ihrer Einschränkungen und Behinderung daher oft nicht möglich.
Ein Museumsbesuch, unabhängig ob in einem Kunst-, Heimat- oder Technikmuseum, ist für blinde und sehbehinderte Menschen jedoch ebenso lohnenswert wie für Besucher ohne Beeinträchtigung des Sehvermögens. Um auch blinden und sehbehinderten Menschen den möglichst eigenständigen Besuch von Museen und Ausstellungen zu erleichtern, hat die Koordinationsstelle Tourismus im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband Empfehlungen erarbeitet. Diese möchten wir Ihnen gern vorstellen und mit Ihnen diskutieren.
Die Umsetzung dieser Empfehlungen erleichtert nicht nur blinden und sehbehinderten Menschen den Besuch von Museen und Ausstellungen, sondern allen, nicht zuletzt auch dem wachsenden Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung. Insofern stellen sie auch einen Beitrag zur Erreichung von mehr sozialer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit dar.
Blinde und sehbehinderte Menschen sind jedoch Besuchergruppen mit verschiedenen, zum Teil aber auch recht ähnlichen Bedürfnissen. Beide haben gemeinsam die Schwierigkeit, einen Museumsbesuch genießen zu können.
Daher müssen Barrieren abgebaut werden, die sich aus ihrer speziellen Wahrnehmbarkeitssituation ergeben. Blinde und sehbehinderte Museumsbucher sind Spezialisten in eigener Sache und können Ihnen Auskunft darüber geben, ob Ihre Ideen realisierbar sind.
Im Artikel 30 der UN-Konvention Rechte behinderter Menschen wird festgeschrieben, dass Menschen mit Behinderungen Zugang zu Orten kultureller Darbietungen oder Dienstleistungen, wie Theatern, Museen, Kinos, Bibliotheken und Tourismusdiensten, sowie, so weit wie möglich, zu Denkmälern und Stätten von nationaler kultureller Bedeutung haben müssen.
Heute werden dank des wissenschaftlichen Fortschritts und innovativer Technologien immer mehr technische Hilfen zur Meisterung des Alltags angeboten, teils als Einzellösung oder als integrierter Bestandteil bereits bestehender Systeme. Beide Varianten werden von blinden und sehbehinderten Menschen auch zunehmend mehr genutzt. Auf der Tagung möchten wir Ihnen ein System vorstellen, dass es auch blinden und sehbehinderten Menschen ermöglicht, sich in Museen zu orientieren und zu informieren.
Wenn wir Ihr Interesse geweckt haben, möchten wir Sie bitten, uns bis spätestens zum 15. September 2010 per Mail an a.zucker(at)dbsv.org zu signalisieren, ob Sie an dieser Tagung teilnehmen werden.
Anreise und Übernachtung sind durch Sie oder Institution selbst zu tragen. Für Unkosten, die mit der Tagung entstehen, würden wir einen Tagungsbeitrag von 50,00 € pro Person erheben müssen. Dieser wird Ihnen nach Anmeldung gesondert in Rechnung gestellt
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern persönlich ab 8. September nach dem Urlaub unter der Rufnummer 030 285387190 zur Verfügung.
Hier finden Sie nun Links zu folgenden Informationen:
Grußwort Ernst Burgbacher
Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Beauftragter der Bundesregierung für Mittelstand und Tourismus anlässlich der Tagung der Koordinationsstelle Tourismus des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV „Kultur für alle – Museen und Ausstellungen barrierefrei für blinde und sehbehinderte BesucherInnen“
am 15. Oktober 2010
um 10:15 Uhr
Stiftung Zollverein, Essen
Sehr geehrte Damen und Herren,
anlässlich der Tagung der Koordinationsstelle Tourismus im Deutschen Blindenund
Sehbehindertenverband möchte ich Ihnen – auch im Namen von Bundeswirtschaftsminister
Brüderle – herzliche Grüße überbringen.
Sie haben für Ihre heutige Tagung einen sehr interessanten Ort gewählt.
Bis 1986 wurde hier noch Kohle gefördert, bis 1993 war die Kokerei noch in Betrieb
und bereits sieben Jahre später war daraus ein beeindruckendes Industriedenkmal
entstanden, das 2001 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen
wurde.
„Kunst und Kultur statt Koks und Kohle“ – mit diesem Motto wirbt der Zollverein
für die kulturelle Vielfalt, die sich in den letzten Jahren hier in der Zeche
Zollverein entwickelt hat.
Die Zeche Zollverein ist zu einem wirklichen Tourismus-Magnet für Besucher
aus dem In- und Ausland geworden.
Natürlich trägt auch „RUHR.2010“ dazu bei, dieses außergewöhnliche Denkmal,
das Museum und Kulturstätte zugleich ist, noch bekannter zu machen.
Museen, Ausstellungen und Denkmale sollen in zunehmendem Maße auch für
blinde und sehbehinderte Menschen zu einem beeindruckenden Erlebnis werden.
Diesem Thema widmet sich Ihre heutige Tagung.
- 2 -
. . .
Blinde und Sehbehinderte brauchen spezielle Unterstützung, sei es durch individuelle
Begleitung, akustische Signale oder Informationsvermittlung sowie durch
geeignete Führungen, bei denen die Besucher einzelne Details ertasten können.
Wir wissen, dass es in Museen normalerweise nicht gestattet ist, Ausstellungsstücke
zu berühren.
Für Sehende ist das kein Problem, doch für Blinde und Sehbehinderte können
Ausnahmen von dieser Vorschrift einen Museumsbesuch zu einem ganz besonderen
Erlebnis machen.
Wünschenswert wären sicher auch noch mehr Informationen in Braille-Schrift sowie
akustische Beschreibungen und Erklärungen.
Immer mehr technische Hilfsmittel stehen zur Verfügung, die Blinden und Sehbehinderten
die Teilhabe an Kunst, Kultur und Tourismus ermöglichen.
Doch es gibt hier auch noch viel zu tun, um Barrieren für Blinde und Sehbehinderte
aus dem Weg zu räumen.
Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dem barrierefreien Tourismus in allen
Bereichen noch stärkeres Gewicht zu verleihen.
Wir können hier im wesentlichen nur Anstöße geben.
Für die Umsetzung bedarf es einer konstruktiven Zusammenarbeit aller Akteure.
Wir brauchen Menschen, die mit Initiative und Engagement voran gehen, die das
Thema Barrierefreiheit ernst nehmen und beharrlich daran arbeiten, andere Menschen
für dieses Thema zu gewinnen.
Ich weiß, dass es in unserem Land bereits viele engagierte Vereine, Verbände,
Städte und Regionen, Hotels und Restaurants gibt, die den barrierefreien Tourismus
für Alle unterstützen.
Die Koordinationsstelle Tourismus im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband
leistet in diesem Zusammenhang eine gute Arbeit.
Die veröffentlichten Empfehlungen und Leitfäden zur barrierefreien Gestaltung
von Museen sowie zu Objektbeschreibungen geben den Leistungsträgern Hilfestellungen
für geeignete Angebote.
An dieser Stelle möchte ich auch die „Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele
in Deutschland“ erwähnen, die auf der Internationalen Tourismusbörse ITB
2008 in Berlin gegründet wurde.
Die in ihr zusammengeschlossenen sieben Städte und Regionen engagieren sich
in besonderem Maße für die Entwicklung konkreter Angebote des barrierefreien
Tourismus.
Ob Tandemtouren für blinde und sehschwache Radler im Lausitzer Seenland,
Bogenschießen für Blinde in der Sächsischen Schweiz oder Waldführungen für
Blinde und Sehbehinderte im Naturpark Eifel – den vielfältigen Ideen sind keine
Grenzen gesetzt.
Ich bin sicher, dass die heutige Tagung weitere interessante Anregungen bietet,
um auch Blinden und Sehbehinderten den Zugang zu Kunst, Kultur und Reisen
immer besser zu ermöglichen.
Leider ist es mir aufgrund anderer Termine nicht möglich, persönlich an der Veranstaltung
teilzunehmen.
Deshalb wurden Ihnen die Grüße auf diesem Wege durch Herrn Peter überbracht.
Ich wünsche Ihnen allen für die Tagung viel Erfolg.