Sie sind hier:Startseite >Infothek >Sport >Fußball >Weiteres >Lehrbuch Blindenfußball >Aufgaben der Guides > Guide hinter dem gegnerischen Tor (Torguide)
Der Torguide dirigiert im gegnerischen Drittel den Angriff. Er gibt dem Ballbesitzer Informationen über die Spielsituation und ordnet die anderen Offensivspieler wenn nötig Positionen zu. Da nicht viel Zeit zur Verfügung steht und möglichst kurze Kommandos gegeben werden sollen ist hier der Einsatz von Schlüsselwörtern erforderlich. Außerdem sollte auf die Bedürfnisse der Spieler eingegangen werden. Die Menge und Art der Informationen, die vom Spieler benötigt werden kann individuell stark variieren. Für folgende Situationen könnten Schlüsselwörter bestimmt werden: - ein Gegner davor - zwei Gegner davor - Mitspieler an der Bande frei - Mitspieler vor dem Tor frei - Mitspieler an der Bande hinter dem Ballführer frei - Tor weit entfernt - Entfernung zum Tor - Schussmöglichkeit ist da - Winkel zu schlecht zum Schuss/ Ballführer zu weit an der Bande - Ballführer ist an der Bande: Entfernung zur Auslinie - Mitspieler soll vor das Tor - Mitspieler soll zur entfernten Bande - Mitspieler soll zur nahen Bande - Mitspieler soll die Seite wechseln
Ist der Ball nicht im Spiel kann der Torguide auch die Spieler außerhalb seines Drittel coachen, wenn dies erforderlich ist. Die macht manchmal bei eigenem oder gegnerischem Abwurf Sinn.
Der Torguide gibt bei eigenen Ecken und Freistößen die mögliche Spielfortsetzung an. Er gibt Informationen über die Lage des Balles (bei Freistößen) und wo die gegnerischen Spieler und der Torwart postiert sind. Diese Informationen sollten in Schlüsselwörtern formuliert werden. In diesem Fall ist die Begründung nicht vorrangig im Zeitfaktor zu suchen, sondern darin, dass der Gegner über die Spielfortsetzung im Unklaren gelassen wird. Wie der Freistoß bzw. der Eckstoß tatsächlich gespielt wird entscheidet zumeist der Spieler am Ball. Es kann sinnvoll sein, die Art der Ausführung beziehungsweise die Auswahl der Spielvariante dem Torguide zu überlassen, da er als Sehender die Spielsituation am besten einschätzen kann und die somit erfolgversprechendste Lösung vorgeben kann.
Bei den Strafstößen aus 6 und 8 Metern hat dem Torguide eine besondere Aufgabe. Er darf vor der Freigabe durch den Schiedsrichter durch Klopfen an die Pfosten das Tor für den Schützen sichtbar machen. Dabei ist es wichtig, dass der Ablauf vor dem Schuss standardisiert - also immer gleich – ist. Zunächst kontrolliert der Torguide die Position des Schützen. Es ist darauf zu achten, ob er gerade und frontal zum Tor steht und ob der Standfuß neben dem Ball ist und mit der Fußspitze zur Tormitte zeigt. Dann ruft der Torguide in der Tormitte „Mitte“, Er geht zu einem der Pfosten, nennt den Pfosten und klopft dann dagegen. Dann geht er hinter dem Tor entlang zum anderen Pfosten, nennt diesen und klopft dagegen. Er geht zurück hinter das Tor in die Tormitte und ruft abermals „Mitte“. Dann pfeift der Schiedsrichter an und der Schütze schießt. Beim Nennen der Pfosten ist auf einige Dinge zu achten. Der Torguide sollte beim Nennen des Pfostens in einer Linie mit dem Schützen und dem Pfosten stehen, um die Position des Pfostens vorwegzunehmen, welche dann durch das Klopfen exakt bestimmt werden kann. Weiterhin nennt der Torguide den Pfosten aus Sicht des Schützen. Gehr er also zum von ihm aus rechten Pfosten ruft er „linker Pfosten“, da er vom Schützen aus gesehen links ist. Zuletzt sollten so wenig Worte wie möglich verwendet werden, um die Konzentration des Schützen nicht zu stören und auf die wichtigen Informationen zu fokussieren. Lautstärke, Tonhöhe und Inhalt sind immer gleich. Das trifft auch auf den zeitlichen Abstand zwischen den einzelnen Rufen und den Klopfern zu. Beim Klopfen an die Pfosten sind ebenfalls einige Dinge zu beachten. So kann mit einer Münze oder einem Schlüssel der Klang und die Lautstärke verbessert werden. Beim Klopfen mit der Hand oder den Fingern klingt es jedes Mal anders und auch die Lautstärke kann stark variieren. Auch die Höhe in der gegen den Pfosten geklopft wird sollte immer gleich bleiben. Klopft man zunächst fast in Bodennähe und dann in Lattenhöhe, hat der Schütze eine genaue Vorstellung über Position und Höhe des Tores und kann seinen Schuss damit optimal anpassen. Die Anzahl der Klopfer bleibt auch immer gleich.