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In diesem Jahr gedenken wir des 200. Geburtstages von Louis Braille und vor allem seiner genialen Erfindung, der Blindenpunktschrift! Aus diesem Grunde und besonders in Zusammenhang mit meinem Hobby, dem Fernschach, möchte ich an den großen Franzosen und Menschenfreund erinnern. Mit seinem bahnbrechenden Werk hat Louis Braille zahllosen Blinden den Weg in die Gesellschaft geebnet und ihnen ein Stück Lebensqualität zurückgegeben.
Ein wesentlicher Bestandteil des "königlichen Spiels" ist die Schachschrift egal, ob bei der Zugübermittlung per Post, der Niederschrift von Zügen während des Spiels direkt am Brett oder der Einsendung von Partiestellungen zwecks Analyse durch die Turnierleitung. Als komfortables Schreibgerät hat sich die "Eurotype" sehr bewährt, aber auch Stichel und Tafel sind dafür bestens geeignet, wobei man nicht nur von rechts nach links, sondern auch in Spiegelschrift schreibt; sogar auf dünnem Stenostreifen erhielt ich schon Schachzüge übersandt. Nicht wenige Schachfreunde spielen wie selbstverständlich per PC und E-Mailübertragung mittels elektronischen Braillezeile. So ist mir die Blindenschachschrift bei Ausübung meines sich nie erschöpfenden, spannenden Hobbys seit Jahrzehnten ein unentbehrlicher Begleiter gewesen.
Die Systematik der Schachschrift ist denkbar einfach, wobei man zwischen zwei Hauptvarianten wählen oder auch beide nebeneinander anwenden kann: International ist die sog. Zahlenschrift obligatorisch, weil unverwechselbar, da sich jeder Zug, also Ausgangs- und Ankunftsfeld einer Figur, immer exakt durch vier Ziffern darstellen lässt. Im deutschsprachigen Raum ist die Verwendung einer Kombination aus Buchstaben, Ziffern und speziellen Sonderzeichen gebräuchlich. Neben der "Spielleidenschaft" - man kommt nur schwer wieder davon los - haben sich mittels der Punktschrift schon so manche lang anhaltende Freundschaften gebildet.
Unter dem Dach des Deutschen Blindenschachbundes werden jährlich verschiedene Fernschachturniere wie z. B. bundesweite Bezirks-, Pokal- und Einzelmeisterschaften unter Zuhilfenahme der Blindenschachschrift ausgetragen. Als Trainings-bzw. Spielpartner kaum noch wegzudenken, stehen heutzutage leistungsstarke Schachprogramme im PC zur Verfügung. Auf den Einsatz derartiger Hifsmittel auch für Blinde soll hier nicht näher eingegangen werden, nur so viel, zahllose sehende Fernschachspieler wägen ständig zwischen vorgeschlagenen und eigenen Zugkombinationen nach bestem Wissen und Gewissen ab. Die Spieler erweitern dadurch ihre Fähigkeiten ganz erheblich!
Übrigens gibt es reichlich Schachliteratur in Punktschrift sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene bei der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig mit div. Schacheröffnungen, Mittelfeldd- und Endspielstellungen kosten-los auszuleihen. - Tagtäglich werden weltweit unzählige Schachspielerinnen Zug für Zug an Louis Braille und seine Schrift erinnert!
Autor: Erwin Boldt