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Blinde und sehbehinderte Menschen werden in Deutschland nicht gezählt. Das ist eigentlich unglaublich, wenn man bedenkt, wie nützlich empirisch erhobenes Zahlenmaterial wäre. In seinem Artikel
Doch die nicht sehen, zählt man nicht hat der blinde Historiker Dr. Hartmut Mehls bereits 2002 zurecht darauf hingewiesen, dass in vielen Bereichen Verantwortliche auf Vermutungen angewiesen sind, wo sie eigentlich Planungssicherheit bräuchten - als Beispiele seien nur die Blindenbildung, die öffentliche Hand und die Augenmedizin genannt.
Der DBSV fordert deshalb seit vielen Jahren empirisch erhobenes Zahlenmaterial zur Situation der blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland. Besonders wichtig wäre das für den Sehbehindertenbereich, in dem die Betroffenenzahlen anscheinend seit Jahren dramatisch ansteigen (siehe WHO-Zahlen) - aber nichts genaues weiß man nicht.
Die Zahlensituation ist also alles andere als befriedigend. Im folgenden finden Sie die wenigen Zahlen, die es gibt. Die Quellen sind jeweils angegeben.
Hier die Definitionen nach deutschem Recht:
Was bedeutet beispielsweise ein Sehrest von weniger als 5 %? Die verschiedenen Augenerkrankungen wirken sich extrem unterschiedlich (Beispiele finden Sie im
Sehbehinderungs-Simulator des ABSV). Ein Sehrest von weniger als 5 % kann bedeuten,
Ein Sehrest von weniger als 5 % kann aber auch bedeuten,
Das Ministerium für Gesundheit der DDR veröffentlichte jährlich Zahlen auf Basis der Statistik der Blindengeldempfänger. Blinde Menschen, die kein Blindengeld beantragt hatten, wurden von dieser Statistik nicht erfasst, es blieb also eine Dunkelziffer.
Nach der Wiedervereinigung wurden die DDR-Zahlen per Dreisatz auf ganz Deutschland hochgerechnet. Die Zahl der Sehbehinderten wurde per Multiplikation ermittelt - auf Basis des Erfahrungswertes, dass auf drei blinde ca. zehn sehbehinderte Menschen kommen. So entstanden folgende Zahlen: In Deutschland leben
In Dänemark, Finnland, Großbritannien, Irland, Island, Italien und den Niederlanden werden blinde und sehbehinderte Menschen gezählt. Die World Health Organization (WHO) wertete Erhebungen dieser Länder bezogen auf das Jahr 2002 aus und kam zu erstaunlichen Ergebnissen, die 2004 veröffentlicht wurden (Resnikoff et al.:
Global Data on visual impairment in the year 2002).
Laut WHO hat sich in den genannten Ländern von 1990 bis 2002 die Zahl der Sehbehinderten um 80 Prozent gesteigert, eine ähnliche Entwicklung muss auch für Deutschland angenommen werden. Hintergrund ist das Phänomen "Alternde Gesellschaft" verbunden mit einer steigenden Lebenserwartung.
Prof. Bernd Bertram hat die WHO-Zahlen ausgewertet und Rückschlüsse auf die Situation in Deutschland gezogen. Demnach gab es im Jahr 2002 in Deutschland
(Prof. Bernd Bertram: Blindheit und Sehbehinderung in Deutschland: Ursachen und Häufigkeiten, veröffentlicht in "Der Augenarzt", 39. Jahrgang, 6. Heft, Dezember 2005)
Weil die WHO Blindheit und Sehbehinderung anders kategorisiert als das deutsche Recht (nämlich in WHO-Grad 1-5, statt wie oben), ist nur diese Gesamtzahl auf deutsche Verhältnisse übertragbar.
Text folgt
Die folgende Tabelle zeigt die Altersstruktur der bayrischen Blindengeldempfänger.
| Leistungsberechtigte insgesamt | 15.979 | 100 % |
|---|---|---|
| davon im Alter von 0 bis unter 6 | 83 | 0,5 % |
| davon im Alter von 6 bis unter 18 | 573 | 3,6 % |
| davon im Alter von 18 bis unter 40 | 1.640 | 10,3 % |
| davon im Alter von 40 bis unter 60 | 2.528 | 15,8 % |
| davon im Alter von 60 bis unter 65 | 719 | 4,5 % |
| davon im Alter von 65 bis unter 80 | 3.747 | 23,4 % |
| davon im Alter ab 80 | 6.689 | 41,9 % |
Übrigens: Weil mit zunehmendem Alter auch die Blindheit signifikant zunimmt und weil Frauen in Deutschland eine höhere Lebenserwartung haben, liegt ihr Anteil unter den blinden Menschen bei ca. 60 Prozent.