Leseprobe

Hier finden Sie ausgewählte Beiträge aus dem DBSV-Magazin „Sichtweisen“.

Auszug aus den „Sichtweisen“, Ausgabe 6/2017

Kleine Gesundheitshelfer

Fieber messen, Tabletten sortieren, Gewicht kontrollieren – um seine Gesundheit im Alltag zu überprüfen und zu erhalten, gibt es verschiedenste Geräte. Eine Hilfsmittelberaterin stellt praktische Hilfen für blinde und sehbehinderte Menschen vor.

Von Katja Köhn

Medikamente sortieren und dosieren

Tabletten zu sortieren und richtig zu dosieren, kann eine Herausforderung darstellen. Die meisten Medikamentenverpackungen sind mit Punktschrift versehen, doch wer diese nicht beherrscht, muss sich anders behelfen.

Eine Möglichkeit ist, die Medikamente mit elektronischen Etiketten zu versehen. Mit Etikettenlesegeräten, zum Beispiel dem „PennyTalks“ oder dem „PenFriend“, die etwa die Größe eines Stifts haben, lassen sich Etiketten mit akustischen Informationen besprechen (vgl. „Gegenwart“ 12/2013). Berührt man das „beschriftete“ Etikett mit dem Gerät, wird die Aufsprache wiedergegeben. Neben dem Namen lassen sich auch Dosierhinweise und Angaben zur Einnahmezeit aufsprechen. Die Geräte sind einfach zu bedienen und auch in anderen Bereichen einsetzbar. Die meisten Medikamente sind aber auch mit einem Strichcode ausgestattet. So können sie mit einem Strichcodeleser, zum Beispiel dem „Einkaufsfuchs“, ausgelesen oder besprochen werden.

Um Medikamente zu sortieren, bietet sich eine Tablettenbox an. Die Boxen sind meist in sieben Teile für die sieben Wochentage und diese wiederum in vier kleine Kästchen unterteilt. So kann man die Tabletten für morgens, mittags, abends und nachts getrennt einsortieren. Oft lassen sich die Boxen, die die Tabletten eines Tages enthalten, von der großen Box abtrennen, so dass man sie mitnehmen kann, wenn man unterwegs ist. Bei einigen Hilfsmittelanbietern, in Apotheken oder im Sanitätshaus gibt es Boxen, die mit Braille beschriftet sind. Auch mit besprechbaren Etiketten oder Markierungspunkten kann eine Tablettenbox gekennzeichnet werden.

Wer Schwierigkeiten beim Halbieren von Tabletten hat, kann mit einem Tablettenteiler Abhilfe schaffen. Dies ist ein Behälter, der etwa so groß ist wie eine Streichholzschachtel. Man kann ihn aufklappen und die zu teilende Tablette einlegen. Im Deckel befindet sich ein kleines Messer, das die Tablette beim Zuklappen zerteilt.

Wer keine Tabletten schlucken kann oder will, aber nicht auf Saft oder Tropfen ausweichen kann, für den ist ein Tablettenzerkleinerer eine Erleichterung. Er funktioniert wie ein Mörser: Die Tablette wird eingelegt und durch einen Stößel zu Pulver zerkleinert. Öffnet man den Zerkleinerer wieder, liegt das Pulver in einer Vertiefung und lässt sich in ein Glas Wasser schütten und auflösen. Diese kleinen Helfer gibt es in der Apotheke und bei Hilfsmittelanbietern.

Muss man Medikamente als Saft einnehmen, ist das Dosieren besonders schwierig. Zwar sind Messlöffel oder kleine Messbecher oft in der Packung enthalten, doch die Beschriftungen sind sehr klein und den Saft in den flachen Messlöffel oder den Dosierbecher zu füllen, ist problematisch. Eine praktische Hilfe sind Dosierspritzen. Sie sind so schmal, dass sie in viele Medikamentenflaschen passen, ihre untere Öffnung ist ungefähr einen Zentimeter breit. Die Spritze wird in die Flasche geschoben und der Kolben aufgezogen. Anschließend wird sie herausgenommen und die entsprechende Menge des Inhalts kann in ein Glas oder direkt in den Mund gespritzt werden. Dosierspritzen gibt es in unterschiedlichen Größen. Braucht man andere als die vorgegebenen Mengen, lässt sich der Kolben der Spritze zum Beispiel mit einer Schlüsselfeile markieren. Man zieht dann so lange am Kolben, bis man die eingekerbte Stelle fühlen kann. Dosierspritzen gibt es in der Apotheke.

Manche blinde und sehbehinderte Menschen müssen regelmäßig Augentropfen anwenden. Das ist schwierig, denn man muss die Flasche oder Ampulle frei über das Auge halten und mit dem Tropfen das Auge treffen. Ein geeignetes Hilfsmittel ist der „Autodrop“. In die eine Seite dieses trichterartigen Gerätes wird die Augentropfenflasche eingesteckt, die große, ovale Öffnung auf der anderen Seite wird auf das Auge aufgesetzt. Autodrop ist erhältlich bei Hilfsmittelanbietern sowie im freien Handel und in Apotheken.

Gesundheit kontrollieren und erhalten

Hilfsmittel gibt es auch für das Überprüfen der Gesundheit. Sprechende Fieberthermometer helfen, wenn man digitale Anzeigen nicht erkennen kann. Es gibt ein sprechendes Modell zum Messen unter dem Arm oder unter der Zunge. Per Knopfdruck wird das Gerät eingeschaltet und meldet akustisch die Funktionsbereitschaft. Pieptöne signalisieren, dass der Messvorgang andauert, am Ende wird die Körpertemperatur angesagt. Bei den meisten dieser Modelle gibt es die Möglichkeit, den letzten Messwert per Knopfdruck akustisch wiedergeben zu lassen. Allerdings dauert das Messen der Temperatur bei diesen herkömmlichen Thermometern mit dreißig Sekunden bis zu einer Minute relativ lange.

Schneller und komfortabler geht es mit einem etwas teureren Fieberthermometer, mit dem man nur mit der Spitze über die Stirn fahren muss. Zieht man eine Schutzkappe des Gerätes ab, lässt sich die Messung auch im Ohr durchführen. Die Spitze wird ins Ohr gesteckt und der Messwert wird sofort angesagt. Gerade für das Fiebermessen von Kindern ist dieses Modell gut geeignet. Die beschriebenen Fieberthermometer sind im freien Handel, in der Apotheke und bei Hilfsmittelanbietern erhältlich.
Auch Personenwaagen, die mit Sprache ausgestattet sind, sind im Handel oder bei Hilfsmittelanbietern zu beziehen. Es gibt Modelle, bei denen das Gewicht nur angesagt wird, bei anderen kann es gespeichert werden. Die meisten Modelle werden mit dem Fuß angetippt und melden akustisch, dass sie einsatzbereit sind. Dann stellt man sich auf die Waage, nach kurzer Wartezeit wird das Gewicht angesagt. Die Geräte wiegen in 100-Gramm-Schritten und haben meist eine Wiegekapazität bis 120 oder 150 Kilogramm. Es gibt aber auch sprechende Waagen, die bis zu 200 Kilogramm messen. Die Sprachausgaben haben unterschiedliche, teilweise einstellbare Lautstärken.

Für Menschen mit Sehbehinderung gibt es Pinzetten mit Beleuchtung. Drückt man die Pinzette zusammen, leuchtet die integrierte LED-Lampe. Bei einem anderen Modell ist zusätzlich eine Lupe mit fünffacher Vergrößerung integriert. Diese ist am oberen Ende der Pinzette aufgesteckt und lässt sich in verschiedene Positionen bringen. Die Beleuchtung dieses Modells lässt sich durch einen Drehschalter ein- und ausschalten.

Die Verwendung weiterer Hilfsmittel im gesundheitlichen Bereich, etwa sprechender Blutdruckmessgeräte oder Blutzuckermessgeräte, sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, damit sie sinnvoll und sicher eingesetzt werden können.

Smartphones bieten mit Gesundheits-Apps auch neue Möglichkeiten für blinde und sehbehinderte Menschen. Allerdings sind viele Apps nicht barrierefrei bedienbar.

Letztlich muss jeder selbst ausprobieren, welches Hilfsmittel in welcher Situation für ihn geeignet ist. Eine individuelle Beratung bieten Rehalehrer an.

Katja Köhn, Hilfsmittelberaterin beim Landeshilfsmittelzentrum des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Sachsen, Tel.: 03 51 / 8 09 06 24, E-Mail: k.koehn@bsv-sachsen.de

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