Digitale Medien

Wenngleich viele der in den vorhergehenden Kapiteln aufgeführten Faktoren medienübergreifend gültig sind, so gibt es doch einige wichtige Unterschiede bei der Erstellung digitaler Medien, insbesondere bei Webanwendungen. Auf einige dieser Besonderheiten wird hier hingewiesen und nützliche Quellen zur weiteren Vertiefung werden angeboten.

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG, engl. »Richtlinien für barrierefreie Webinhalte«) des World Wide Web Consortiums (W3C) bilden den internationalen Standard für die Umsetzung barrierefreier Online-Medien und digitaler Anwendungen. Sie liegt derzeit in der Version 2.0 vor. In Deutschland regelt die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung – BITV 2.0 die Umsetzung aller öffentlich zugänglichen Webanwendungen von Behörden der Bundesverwaltung. Sie orientiert sich dabei ausdrücklich an der WCAG. Beide folgen den Prinzipien von Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit. Sie berücksichtigen neben visuellen auch auditive, motorische, sprachliche, kognitive und neurologische Behinderungen.

Während die Empfehlungen von leserlich.info vor allem auf die Aufgaben des Kommunikationsdesigns und insbesondere auf die Wahrnehmbarkeit von Informationen abzielen, beschäftigt sich ein großer Teil der WCAG mit Anforderungen im programmiertechnischen Kontext. Dabei besteht eine Kernanforderung darin, digitale Informationen in einer standardisierten Form zur Verfügung zu stellen, damit sie für möglichst viele Programme und Geräte verwertbar sind. Anders als bei Druckerzeugnissen, die eine unveränderliche, feste Form besitzen, soll sich die Form digitaler Informationen dadurch möglichst uneingeschränkt den Bedürfnissen des individuellen Nutzers anpassen können. Allerdings gibt es einige äußere Umstände, welche die individuelle Anpassung digitaler Informationen nicht immer möglich machen. Dazu zählen u. a. eine hochfrequente Veränderung technischer Entwicklung bzw. veraltete Soft- oder Hardware oder technische Unkenntnis des Nutzers. Um dem Anspruch eines inklusiven Kommunikationsdesigns auch unter diesen Voraussetzungen gerecht zu werden, sollte über die Anforderungen der WCAG hinaus die Lesbarkeit digitaler Medien so weit optimiert werden, dass sie auch im Urzustand, d. h. ohne nachträgliche, individuelle Anpassung für möglichst viele Menschen gegeben ist.

Dahingehend sind zwei Themenschwerpunkte ermittelt worden, die in der derzeitigen Fassung der WCAG nicht hinreichend Beachtung finden:

Schriftgrößen

In digitalen Medien wird Schrift prinzipbedingt in Pixeln angezeigt. Aufgrund dessen erfolgt die Angabe der Schriftgröße letztlich auch immer in Pixeln. Die optische/metrische Schriftgröße ergibt sich damit aus der Größe der verwendeten Pixel, die jedoch je nach Bildschirmauflösung und Gerätekonfiguration bis zu 300 % differieren. Sofern dieselbe Gestaltung auf unterschiedlichen Geräten zum Einsatz kommen soll, deren Auflösungen nicht bekannt sind, können lediglich Durchschnittswerte für die gängisten Bildschirmauflösungen (Pixelgrößen) genutzt werden.

Für Desktop- und Notebook-Monitore ist dies derzeit eine virtuelle Auflösung von 100 ppi (Pixel per Inch), für Tablets 150 ppi und für Smartphones 155 ppi. Die metrische Größe eines Pixels in Millimetern ergibt sich aus dem Quotienten aus 25,4 und der virtuellen Auflösung in ppi.

Responsives Design

Um zu gewährleisten, dass digitale Anwendungen (bspw. Webseiten) auf unterschiedlichen Geräten gleichermaßen gut dargestellt werden, muss die Anwendung in der Lage sein, sich den jeweiligen Bildschirmgrößen und Formaten anzupassen. Dabei sollte die Anwendung so aufgebaut sein, dass alle Elemente möglichst ohne Vergrößern, Verkleinern oder horizontales Verschieben sichtbar sind. Es empfiehlt sich ein vertikaler Aufbau, der alle Bereiche durch einfaches Scrollen erreichbar macht.


Desktop