Sie sind hier: Startseite > Presse > Pressemitteilungen > 2007 > Blind und erfolgreich im Beruf
03.09.2007
Am 7. Oktober startet im Rahmen der bundesweiten Woche des Sehens die Anzeigenkampagne "Blindheit und Beruf"
In Deutschland leben laut WHO-Report rund 1,25 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen. 72 Prozent der Blinden im erwerbsfähigen Alter sind ohne dauerhafte Anstellung. Obwohl viele Betroffene erstklassige Qualifikationen und Abschlüsse mitbringen, verschlechtern sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt seit fünf Jahren kontinuierlich. Um diese Situation zu verändern, startet in der Woche des Sehens eine groß angelegte Anzeigenkampagne zum Thema "Blindheit und Beruf". Absender ist das "Netzwerk berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen" (NBT), ein Zusammenschluss von Bildungseinrichtungen und Organisationen unter Federführung des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS). Die Kampagne wird von der Bundesagentur für Arbeit unterstützt.
"Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen", so steht es im Grundgesetz (Artikel 12). Demnach kann schwindende Sehkraft nicht das berufliche Abseits bedeuten. Trotzdem haben viele blinde und sehbehinderte Menschen aufgrund ihrer Einschränkung Probleme im beruflichen Alltag. So darf die Berliner Rechtsanwältin Pamela Pabst ihren Traumberuf Strafrichterin aus Gesetzesgründen nicht ausüben. Auch der im Juli verhandelte Fall der Münchner Lehramtsstudentin Bettina Koletnig, der wegen ihrer Sehbehinderung der Abschluss ihres Studiums verweigert wurde, verdeutlicht die Vorbehalte der Arbeitgeber und letztlich die unserer Gesellschaft.
Blinde und sehbehinderte Menschen erwarten keine Fürsorge und Mitleid, sondern wollen ihr Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich gestalten. Renate Reymann, Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes sowie Mit-Initiatorin des NBT, setzt sich für soziale Absicherung, gesellschaftliche Integration und insbesondere berufliche Förderung der Betroffenen ein. "Das Ziel unserer Arbeit ist es, die hierfür erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen", sagt die selbst sehbehinderte Sachbearbeiterin. "Wo gesellschaftliche, politische oder technische Entwicklungen blinde und sehbehinderte Menschen benachteiligen, schaffen wir ein entsprechendes Bewusstsein und setzen uns für Veränderungen ein."
Ein positives Beispiel für die Integration von blinden und sehbehinderten Berufstätigen liefert der IT-Bereich. Hier werden neue Jobperspektiven geschaffen, beispielsweise mit den Berufsbildern Software-Entwickler, Web-Designer, Netzwerk-Administrator und Informatik-Kaufmann. Darüber hinaus entwickelt und produziert die Branche auch spezielle Arbeitsmittel wie Vorlesegeräte oder Blindenschrift-Displays. Mit diesen Hilfsmitteln arbeiten blinde und sehbehinderte Arbeitnehmer heute in ehemals für sie nicht zugänglichen Berufen.
"Blindheit und Beruf" ist eines der zentralen Themen der diesjährigen Woche des Sehens, die vom 7. bis 15. Oktober stattfindet. Unter dem Motto "Blindheit verstehen, Blindheit verhüten" macht die Aktionswoche seit sechs Jahren auf die Bedeutung guten Sehvermögens, die Ursachen vermeidbarer Blindheit sowie die Situation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland und in den so genannten Entwicklungsländern aufmerksam. Die Woche des Sehens wird getragen von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf, dem Hilfswerk der Deutschen Lions sowie der Pro Retina. Unterstützer sind die "Aktion Mensch" und die Carl Zeiss Meditec. Regionale Veranstaltungen und vertiefende Hintergrundinformationen sind zu finden auf der Internetseite der Woche des Sehens.
Gegründet im Oktober 2006. Mitglieder sind berufliche Bildungseinrichtungen für blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland, der Verband der Blinden- und Sehbehindertenpädagogen und -pädagoginnen (VBS) sowie zwei Selbsthilfeorganisationen, die am Thema "Berufliche Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen" arbeiten, namentlich der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) und der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS).
Pleon GmbH
Frank Ahnefeld Hausvogteiplatz 2 10117 Berlin Telefon: (030) 726 139-957 Fax: (030) 726 139-890 E-Mail: frank.ahnefeld@pleon.com Homepage: www.pleon.de
Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. Michael Herbst Frauenbergstraße 8 35039 Marburg Telefon: (064 21) 9 48 88-0 Fax: (064 21) 9 48 88-10 E-Mail: herbst@dvbs-online.de Homepage: www.dvbs-online.de