Berlin, 29. Januar 2009 Heute startet im Berliner Kleisthaus eine Fachkonferenz zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Bildungsbereich. Drei blinde Experten werden die Tagung mitgestalten. Ein Blick auf ihre Themen zeigt den immensen Handlungsbedarf.
Der Bremer Landesbehindertenbeauftragte Dr. Joachim Steinbrück verspricht sich von der UN-Konvention einen Durchbruch: „Endlich! Endlich werden verbindliche Standards für die Beschulung Sinnesbehinderter gesetzt. In Deutschland haben wir zurzeit einen einzigen Flickenteppich von Regelungen, es ist höchste Zeit, die Qualität der Schulbildung zum Ausgangspunkt unserer Überlegungen zu machen.“ Steinbrück ist einer von drei blinden Menschen, die als Experten in eigener Sache aktiv bei der Fachtagung mitwirken, sein Referat soll gleich zu Beginn Impulse setzen.
Reiner Delgado ist Sozialreferent beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband und hat für die Konferenz einen Workshop vorbereitet. Auch er setzt große Hoffnungen in die neue Konvention: „Sie geht ins Detail, wenn es um die Bildung für blinde und sehbehinderte Menschen geht. Die Lehrkräfte müssen beispielsweise geeignete Materialien für den Unterricht bereithalten, je nachdem in Blindenschrift oder Großdruck, aber auch tastbare Abbildungen. Die individuell angepasste Förderung für jeden Schüler bekommt eine zentrale Bedeutung, und zwar nicht nur an der Schule, sondern auch in der Berufsausbildung, an der Uni, in der Volkshochschule und sogar im Bereich der Alltagsbewältigung.“
Dr. Michael Richter konzentriert sich in seinem Workshop auf juristische Aspekte: „Im Deutschen Recht muss sich einiges ändern, um dem Ziel der bestmöglichen Schulbildung von behinderten Kindern voll zu entsprechen“, stellt der blinde Anwalt nüchtern fest. Auch für ihn steht die Qualität der Ausbildung klar im Vordergrund. „Die UN-Konvention fordert ein inklusives Schulsystem, was aber nicht gleichbedeutend ist mit der Auflösung aller Förderzentren, denn von einer flächendeckenden Bildungsqualität für blinde und sehbehinderte Menschen sind wir in Deutschland noch Lichtjahre entfernt.“
Hintergrund: Mit der Kampagne "alle inklusive!" informiert die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karin Evers-Meyer, in den kommenden Wochen über die Inhalte der UN-Behindertenrechtskonvention. Gemeinsam mit den Behindertenverbänden im Deutschen Behindertenrat rückt sie auf insgesamt acht Fachkonferenzen bundesweit verschiedene Themenfelder der Konvention in den Mittelpunkt. Diese ist weltweit das erste Menschenrechtsabkommen über die Rechte behinderter Menschen.
Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V., der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV), der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. und die Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben - gemeinsam lernen e.V. gestalten die Auftaktkonferenz im Berliner Kleisthaus als "Experten in eigener Sache".
In insgesamt zehn Menschenrechtswerkstätten zu verschiedenen Aspekten rund um die Bildungspolitik wird der Handlungsbedarf ermittelt, der auf Bundes- und Länderebene im Bildungsbereich besteht. Diskutiert werden soll dabei, wie der Übergang zu einem inklusiven Bildungssystem gelingen kann.
Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV) Ansprechpartner: Volker Lenk Pressesprecher Tel. 030/28 53 87-140 E-Mail v.lenk@dbsv.org