Umfrage zu Lebenssituationen blinder Menschen

Im Rahmen einer Umfrage zu Schlafproblemen bei blinden Menschen hat der DBSV im Jahr 2016 zwischen August und Oktober sieben Fragen zu verschiedenen Aspekten aus dem Leben blinder Menschen gestellt.

Einführung

Zwischen August und Oktober 2016 hatte der DBSV die Möglichkeit im Rahmen der Umfrage eines Pharmaunternehmens zu Schlafqualität von blinden Menschen auch Fragen zu deren Lebensalltag zu stellen. Dabei wurden die Themen Mobilität, Brailleschrift, Nutzung von Informationstechnologie und Nutzung von Medien aufgegriffen. Die 419 Personen, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind nach Einschätzung des DBSV nicht repräsentativ für alle blinden Menschen in Deutschland. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist dies zu berücksichtigen. Dennoch lassen sich klare Tendenzen erkennen.

Durchführung der Umfrage und Gewinnung von Teilnehmenden

Die sieben Fragen zum Lebensalltag blinder Menschen waren den 20 Fragen zum Thema Schlafqualität bei Blindheit vorangestellt. Es konnten nur Personen teilnehmen, die gesetzlich blind sind, andere Personen wurden durch einleitende Fragen ausgeschlossen. Darüber hinaus wurde bei Personen, die blind ohne Lichtwahrnehmung sind, besonders geworben, wodurch diese überrepräsentiert sind.

Der Fragebogen lag der August-Ausgabe des DBSV-Verbandsmagazins „Gegenwart“ 08/2016 in Schwarzschrift bei. Ein Umschlag für eine kostenlose Rücksendung wurde ebenfalls zur Verfügung gestellt. Außerdem bestand die Möglichkeit, über einen barrierefreien Online-Fragebogen oder kostenlos per Telefon teilzunehmen. Ein Aufruf zur Teilnahme wurde über die Gegenwart (Auflage rund 1.000 Exemplare Schwarzschrift, 1.000 Exemplare Punktschrift) und das Daisy-Magazin DBSV-Inform verbreitet (Auflage ca. 15.000 Exemplare). Über den E-Mail-Newsletter dbsv-direkt wurde zum Start der Umfrage informiert und nach einem Monat nochmals eine Erinnerung versandt (7. September). Ein weiterer Aufruf erging am 19. August über den Newsletter des DVBS „horus aktuell“ (ca. 1.800 Empfänger). Weiter wurden die 20 Landesvereine des DBSV durch die Auftraggeberin nochmals direkt informiert. Die tatsächliche Reichweite der Maßnahmen kann schwer abgeschätzt werden, da sich die Empfängerkreise vielfach überlappen und Personen mehrfach erreicht wurden. Der Endzeitpunkt der Umfrage wurde zum Start nicht kommuniziert, erst in dbsv-direkt vom 7.9.2016 wurde das Ende auf den 31. Oktober festgelegt.

Demographische Daten

Allgemeines

Die Antworten von 419 TeilnehmerInnen wurden für die Studie ausgewertet. 53,8% von ihnen nahmen online teil, 41,2% per Telefon, 5,0% mit dem Papierfragebogen. 261 (62,3%) Personen gaben an, keine Lichtwahrnehmung zu haben. 26,4% (n=69) waren seit der Geburt ohne Lichtwahrnehmung, 66,3% (n=124) haben die Lichtwahrnehmung innerhalb der ersten 30 Lebensjahre verloren. Das Durchschnittsalter aller Teilnehmenden betrug 54,7 Jahre (Von 12 bis 92 Jahre, Standardabweichung 16,5 Jahre). 44,6% gaben an weiblich zu seinen, 50,1% männlich.

Bildungsniveau

Rund ein Fünftel der Befragten (18.9%) gab an, einen Hochschulabschluss zu besitzen, 24,8% haben eine Hochschulzugangsberechtigung (Abitur, Fachhochschulreife). Einen Realschulabschluss oder einen Abschluss der Polytechnischen Oberschule der DDR (10. Klasse) konnten 29,4% vorweisen. Einen Hauptschulabschluss oder einen Abschluss der Polytechnische Oberschule der DDR (7., 8. oder 9. Klasse) erreichten 17,2%.

Berufliche Situation

  • Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigt n=147 (35,1%)
  • Selbstständig n=14 (3,3%)
  • Tätig in einer (Behinderten-)Werkstatt n=2 (0,5%)
  • Im Ruhestand bzw. berentet n=187 (44,6%)
  • In Studium/ beruflicher Ausbildung/ Lehre n=25 (6,0%)
  • Nicht erwerbstätig n=32 (7,6%)*
  • Der Rest machte keine Angaben (n=12/2,9%)

*Zu beachten ist, dass sich die Zahl der Nichterwerbstätigen auf die Gesamtheit der befragten Personen bezieht, einschließlich jener, die nicht im erwerbsfähigen Alter waren.

Ergebnisse

Die Fragen zum Lebensalltag entsprechen den Punkten 4 bis 10 des Gesamtfragebogens. Frage und Antwortmöglichkeiten erscheinen wie auf dem Fragebogen.

Nutzen Sie Brailleschrift? (Mehrfachnennungen möglich)

  • Ja, ich nutze Kurzschrift n=304, 72,6%
  • Ja, ich nutze Vollschrift n=259, 61,8%
  • Nein n=75, 17,9%

Welche Hilfen nutzen Sie unterwegs? (Mehrfachnennungen möglich)

  • Führhund n=46, 11,0 %
  • Begleitperson n=345, 82,3%
  • Elektronische Navigationshilfsmittel (Smartphone, Navigationsgeräte) n=130, 31,0%
  • Monokular n=22, 5,3%
  • Langstock n=362, 86,4%
  • Keine Hilfen n=1, 0,2%

Weitere Nennungen im Freitextfeld (teilweise thematisch zusammengefasst): Mobilitätsservice der Deutschen Bahn (1,2%), gesprochene Ansagen in Zügen / Bussen (0,5%), Taxi (1,0%), Hilfe von Passanten (0,5%), spezielle Smartphone Apps (0,5%), Hindernismelder (0,5%), Ultraschallgeräte (z.B. Bodyguard) (1,2%), elektronische Notizgeräte (0,7%)

In welchen Situationen ist eine Begleitperson für Sie notwendig? (Mehrfachnennungen möglich)

  • Auf bekannten Wegen n=103, 24,6%
  • Auf unbekannten Wegen n=359, 85,7%
  • Bei Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) n=170, 40,6%
  • Bei Nutzung der Bahn im Fernverkehr n=233, 55,6%
  • In keiner der genannten Situationen n=15, 3,6%

Weitere Nennungen im Freitextfeld (teilweise thematisch zusammengefasst): Einkaufen (12,4%), Arztbesuche (5,0%), Behördengänge (4,8%), im Dienst/Beruf (1,0%), auf Fortbildungen (0,7%), im Urlaub (2,1%), (kulturelle) Veranstaltungen (6,4%), in Museen (0,7%), beim Sport (1,4%), beim Wandern / im Gelände (1,2%), in Menschenansammlungen (2,4%), bei Baustellen (0,7%), bei Dunkelheit (0,5%), auf Flugreisen (1,9%), bei Auto- / Taxifahrten (1,0%), immer Hilfe nötig (1,7%)

Mit welchen Hilfen nutzen Sie ein Smartphone? (Mehrfachnennungen möglich)

  • Ich nutze kein Smartphone n=179, 42,7%

Alle weiteren Prozentangabe sind bezogen auf die Zahl der Smartphone-NutzerInnen (n=240)

  • Mit Sprachausgabe n=223, 92,9%
  • Mit Spracheingabe n=172, 71,7%
  • Mit Braillezeile n=64, 26,6%
  • Mit Vergrößerungsfunktion n=14, 5,8%
  • Mit Kontrastverbesserung n=12, 5,0%
  • Mit Inversdarstellung n=7, 2,9%
  • Ohne Hilfe n=2, 0,8%

Weitere Nennungen im Freitextfeld (teilweise thematisch zusammengefasst): Kameramodul (z.B. Geldleser) (1,3%), Externe (bluetooth) Tastatur (3,3%)

Mit welchen Hilfen nutzen Sie den Computer? (Mehrfachnennungen möglich)

  • Ich nutze keinen Computer n=59, 14,1%

alle weiteren Prozentangabe sind bezogen auf die Zahl der ComputernutzerInnen (n=360)

  • Mit Sprachausgabe n=338, 93,9%
  • Mit Vergrößerungssoftware n=31, 8,6%
  • Mit Braillezeile n=285, 79,2%
  • Mit Kontrastverbesserung n=22, 6,1%
  • Mit Inversdarstellung n=15, 4,2%
  • Ohne Hilfen n=2, 0,6%

Weitere Nennungen im Freitextfeld (teilweise thematisch zusammengefasst): Sehende Person (0,8%), spezielle blindengerechte Tastatur (0,6%), Notizgerät/Diktierprogramm (0,6%)

Nutzen Sie Hörfilme?

  • Ja n=273, 65,2%
  • Nein n=136, 32,5%
  • Keine Angabe n=10, 2,4%

Wie informieren Sie sich über das Tagesgeschehen? (Mehrfachnennungen möglich)

  • Radio n=390, 93,1%
  • Fernsehen n=319, 76,1%
  • Internet n=236, 56,3%
  • Angehörige n=201, 48,0%
  • Hörzeitschriften n=142, 33,9%
  • Druckerzeugnisse in Punktschrift n=91, 21,7%
  • Druckerzeugnisse in Schwarzschrift n=36, 8,6%

Weitere Nennungen im Freitextfeld (teilweise thematisch zusammengefasst): Smartphone (Nachrichten-App) (4,5%), Telefon (z.B. Infotelefon Blindenverein) (1,4%), Vorlesefunktion / -gerät (z.B. am PC angeschlossen) (1,2%), Newsletter/Mailinglisten (1,2%)