Corona-Ratgeber

Sie sind blind oder sehbehindert? Dann stellt Sie die Corona-Krise vor ganz besondere Herausforderungen. Wir haben deshalb in diesem Corona-Ratgeber nützliche Informationen speziell für blinde und sehbehinderte Menschen zusammengetragen. (Bei Interesse können Sie gern auch unsere Tipps für sehende Mitmenschen und die politischen Forderungen des DBSV zu den Auswirkungen der Corona-Krise anschauen.)

Bitte beachten Sie: Der Corona-Ratgeber basiert auf der aktuellen Faktenlage, die sich durch neue Informationen jederzeit ändern kann. Deshalb wird er nur online und per DBSV-Infotelefon (030/2555 80808) angeboten.

Sich und andere schützen

Computergrafik: Im Vordergrund eine gehende Person. Vor und hinter ihrem Kopf eine Farbwolke in verschiedenen Tönen. Dahinter eine 2. Person, die von der Farbwolke erfasst wird. Darüber Text: „Walking behind each other at 4 km/h. Less safe.“ Unten 3 Logos
Verbreitung von winzigen Tröpfchen über die Atemluft

Ansteckungsgefahr beim Führen

(English version below)

Zu Personen, mit denen man nicht zusammenlebt, sollte man einen Abstand von zwei Metern halten – das ist die zentrale Regel, um eine Corona-Infektion zu verhindern. Es ist klar, dass diese Regel verletzt wird, wenn man sich von einem anderen Menschen führen lässt. Blinde und sehbehinderte Menschen müssen also abwägen: Auf der einen Seite die sichere, schnelle und unfallfreie Fortbewegung, auf der anderen Seite die Vermeidung eines Ansteckungsrisikos.

Grundsätzlich sollte man Situationen aus dem Weg gehen, in denen man auf das Führen durch andere, insbesondere fremde Personen angewiesen ist. In vielen Fällen ist es blinden und sehbehinderten Menschen durchaus möglich, sich allein und doch sicher durch den öffentlichen Raum zu bewegen, auch wenn es eventuell etwas länger dauert. Oft lässt sich zudem ein Gang vermeiden, indem man beispielsweise den Einkauf durch einen Hilfsdienst erledigen lässt.

Viren können über winzige Tröpfchen im Atem übertragen werden. Unter Leitung von Prof. Bert Blocken wurde in einer Studie der Universitäten Leuven (Belgien) und Eindhoven (Niederlande) untersucht, wie diese Tröpfchen sich verhalten, wenn zwei Menschen in die gleiche Richtung gehen. Die meisten Tröpfchen fängt man sich laut dieser Studie ein, wenn man hinter jemandem hergeht, weil man dann die „Tröpfchenwolke“ des Vordermanns ins Gesicht bekommt. Geht man dagegen nebeneinander, ist das Risiko am geringsten.

Mit der Beachtung der folgenden Hinweise kann man das Risiko einer Ansteckung zwar nicht auf null reduzieren, aber zumindest dazu beitragen, sich und andere zu schützen:

  • Situationen vermeiden, in denen man auf das Führen durch fremde Menschen angewiesen ist
  • Hilfe nur annehmen, wenn sie wirklich nötig ist (nicht jedes nett gemeinte Angebot annehmen, wenn man es nicht unbedingt braucht)
  • Führen wenn möglich durch Ansagen ersetzen, sich also durch Zurufe aus sicherer Entfernung „navigieren“ lassen
  • Bei der Inanspruchnahme von Hilfe: Wenn möglich nebeneinander gehen mit ab und zu kurzem Kontakt (mit Handrücken antippen) und der Stimme des Sehenden als Orientierung
  • Tragen einer Atemmaske, insbesondere durch die führende Person
  • Hilfsbereite fremde Personen fragen, ob sie eine Atemmaske tragen, bevor man Hilfe annimmt
  • Den Führenden nicht am Ellenbogen anfassen (könnte durch Husten-Etikette kontaminiert sein), sondern lieber am Oberarm, gegebenenfalls Handschuh benutzen
  • Beim Führen als Verbindung einen Strick mit Knoten oder eine sogenannte „Wanderkugel“ (Seil mit Holzkugeln an den Enden) benutzen
  • Unbedingte Handhygiene – auf keinen Fall mit der Hand, die den Führenden berührt hat, anschließend ins eigene Gesicht fassen

Stand: 16. April 2020

Weitere Informationen ("Questions and Answers") zur Studie der Universitäten Leuven und Eindhoven (in Englisch)

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Masken

Überall in Deutschland ist jetzt beim Einkaufen oder im öffentlichen Nahverkehr das Tragen eines „Mund-Nasen-Schutzes“ Pflicht. Konkrete Regelungen sind im jeweiligen Bundesland zu erfahren. Dort gibt es auch Informationen, wer ggf. von der Maskenpflicht befreit ist, zum Beispiel bei bestimmten Erkrankungen.

Die Aktion Mensch hat eine Auflistung der Ausnahmeregelungen in den Bundesländern auf ihrer Homepage veröffentlicht:

https://www.aktion-mensch.de/corona-infoseite/regelungen-fuer-menschen-mit-behinderung-zur-maskenpflicht.html

Es gibt unterschiedlichste Masken – einmal oder mehrmals verwendbare, mit und ohne Filtereinsatz. Auch bei den Materialien ist die Vielfalt groß – von Vlies über Baumwolle und Leinen bis zu synthetischen Stoffen.

Um die Maskenpflicht einzuhalten, sind normale Einmalmasken und selbst genähte Masken ausreichend, eventuell auch Schals oder Tücher. All diese Varianten dienen hauptsächlich dem Schutz anderer und nicht dem Eigenschutz. Alle Vorsichtsmaßnahmen wie das Vermeiden sozialer Kontakte, das Abstandhalten, Händewaschen, Husten und Niesen in die Ellenbeuge, sind trotz Maske einzuhalten. Will man sich selbst schützen, sind medizinische Masken mit Filtern nötig.

Anleitungen für den Einsatz von Masken gibt es in großer Menge. Da diese viele Bilder verwenden, sind sie für blinde und sehbehinderte Menschen oft nicht gut nutzbar. Die folgenden Tipps und Hinweise beziehen sich auf Masken mit elastischen Schlaufen, die über die Ohren gezogen werden.

  • Der nach oben gehörende Rand (der auf der Nase liegt) ist meist etwas dicker und/oder anhand einer Verstärkung, z. B. durch einen Draht, fühlbar.
  • Bei einem Teil der verschiedenen Masken-Modelle ist zudem wichtig, welche Seite auf der Haut liegt.
  • Hinweis: Bei Wiederverwendung einer Maske ohne zwischenzeitliche Reinigung/Desinfektion ist es grundsätzlich sehr wichtig, dass immer die gleiche Seite auf der Haut liegt, siehe dazu auch weiter unten.
  • Wenn Sie unsicher sind, wie herum Ihre Maske getragen werden muss, fragen Sie am besten einen sehenden Menschen und bringen dann eine Markierung an der Maske an.
  • Wird eine Brille getragen, soll diese immer auf der Maske sitzen. Trotzdem kann sie beschlagen, wenn die Maske nicht dicht auf der Nase und unter der Brille anliegt. Manchmal hilft es, den Draht fester anzudrücken oder die Brille ein wenig vorzuziehen. Auch ein Anti-Beschlag-Spray kann probiert werden.

Tipps für das Aufsetzen der Maske:

  • Hände gründlich waschen und trocknen
  • beachten, dass die richtige Seite nach außen zeigt (ggf. durch tastbare Markierung gewährleisten)
  • drahtverstärkte Seite über die Nase ziehen, Falten öffnen sich nach unten, in Schlaufen greifen und diese über die Ohren ziehen
  • Draht durch leichten Druck knapp unterhalb der Nasenwurzel festdrücken,
  • untere Seite kontrollieren und ggf. über das Kinn nach unten ziehen
  • Zusätzlich kann ein Zellstofftaschentuch eingelegt werden, das sich nach der Benutzung leicht entsorgen lässt.

Tipps zum Absetzen der Maske:

  • nach Möglichkeit Hände waschen und trocknen
  • Maske nur an den Schlaufen berühren, mit den Fingern die Schlaufen hinter den Ohren fassen und nach außen - vom Gesicht weg - ziehen
  • nun Hände nach vorn vom Gesicht wegbewegen
  • danach die Hände zusammenklappen, so kommt die Innenseite der Maske aufeinander, Außenseite bleibt außen
  • nicht mit den Händen ins Gesicht fassen
  • bei Wiederverwendung ohne zwischenzeitliche Reinigung/Desinfektion: Maske zwischen die Hände legen, Finger unter die Schlaufen schieben und Arme öffnen. Finger zum jeweiligen Ohr richten und Schlaufe darüber gleiten lassen
  • Maske beim Einsatz nicht öfter als absolut notwendig ab- und dann wieder aufsetzen, da jedes Mal die Gefahr besteht, dass Krankheitserreger von der Innen- auf die Außenseite oder von der Außen- auf die Innenseite der Maske gelangen
  • nach Ablegen der Maske Hände waschen und trocknen

Reinigung / Desinfektion der Masken bzw. Entsorgen

  • Einmalmasken im Restmüll entsorgen
  • Stoffmasken (möglichst aus Baumwolle) auskochen oder so heiß wie möglich waschen und bügeln
  • Vorsicht bei Tipps aus dem Internet zur Desinfektion mit Wäschetrocknern, Mikrowellen, Backöfen etc. (Sind die Quellen vertrauenswürdig? Welche Materialien sind wofür geeignet? Sind genaue Temperatureinstellungen der Geräte möglich?)
  • bei Unsicherheit über die eigenen Fähigkeiten zum Reinigen der Maske im Zweifel auf Einmalmasken zurückgreifen

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Tipps vom Virologen für blinde und sehbehinderte Menschen

Porträtfoto von Prof. Jonas Schmidt-Chanasit. Er ist ca. 40 Jahre alt, hat braune Augen und trägt ein graues Hemd. Seine Haare sind millimeterkurz geschnitten.
Prof. Dr. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit

Prof. Jonas Schmidt-Chanasit ist Virologe an der Uni Hamburg und Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Für den Corona-Ratgeber des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes erklärt er, worauf blinde und sehbehinderte Menschen in der Corona-Krise achten müssen.

Interview: Volker Lenk

Lenk (VL): Unter unseren Mitgliedern gibt es einige, die vielleicht zu Risikogruppen gehören – was können Sie sagen zu Menschen, die 70, 80 Jahre oder älter sind?

Schmidt-Chanasit (JSC): Die gehören zu einer Risikogruppe, das heißt, sie haben ein erhöhtes Risiko, an dieser Infektion schwer zu erkranken und auch zu versterben. Insofern müssen sich diese Menschen jetzt besonders vor einer Infektion schützen, also auf soziale Kontakte, beispielsweise Besuche, verzichten. In Pflegeheimen werden diese Einschränkungen deshalb auch entsprechend durchgesetzt.

VL: Wie sieht es aus bei Menschen, deren Augenerkrankung auf einen Diabetes zurückzuführen ist?

JSC: Eine Zuckererkrankung kann zu Organschädigungen führen und das wiederum kann sich bei schweren Verläufen einer Corona-Infektion negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken. Insofern ist Diabetes mellitus als Grunderkrankung ein Risikofaktor. Wenn der Körper gegen eine Corona-Erkrankung kämpft und es Einschränkungen bei der Funktionsfähigkeit der Organe gibt, dann ist das eben nicht so gut.

VL: Was können Sie zu Uveitis-Betroffenen sagen?

JSC: Das Auge ist bei schweren Infektionen kein entscheidendes Organ, um diese Infektionen zu besiegen. Es gibt also erstmal keinen Zusammenhang von Uveitis und schweren Verläufen einer Corona-Infektion. Allerdings haben wir auch hier manchmal die Situation, dass die Grunderkrankung zu Problemen führt. Wenn die Uveitis beispielsweise im Rahmen eines Morbus Bechterew auftritt, dann führt diese Grunderkrankung oder auch die damit verbundene Medikation zu einem erhöhten Infektionsrisiko.

VL: Es gibt immer wieder Hinweise, dass man im öffentlichen Bereich möglichst wenig anfassen soll. Blinde und sehbehinderte Menschen sind besonders darauf angewiesen, sich taktil zu orientieren, müssen also viele Sachen berühren. Was können Sie in dieser Situation raten?

JSC: Das ist eine schwierige Situation, aber eine Schmierinfektion stellt jetzt auch nicht den Hauptübertragungsweg dar. Das viel höhere Risiko ist der persönliche Kontakt mit Erkrankten. Die indirekte Übertragung über Oberflächen ist wesentlich unwahrscheinlicher. Was man beachten muss, wenn man Oberflächen im öffentlichen Bereich berührt hat, ist, dass man sich auf keinen Fall ins Gesicht fassen sollte. Ich weiß nicht, inwieweit es möglich ist, Handschuhe zu tragen, das Tastvermögen ist dann ja eingeschränkt. Falls das möglich ist, würde man das empfehlen.

VL: Und wenn man sich sozusagen durch den öffentlichen Bereich gekämpft hat, sagen wir mal zum Arbeitsplatz, was soll man beachten, wenn man angekommen ist?

JSC: Dass man sich umgehend, sobald es möglich ist, gründlich die Hände wäscht oder sie desinfiziert, und das ist dann auch schon ausreichend. Falls man Handschuhe getragen hat, sollte man diese natürlich ablegen. Auch am Arbeitsplatz sollte man sich aber häufig und immer wieder die Hände waschen oder sie desinfizieren.

VL: Blinden und sehbehinderten Menschen fällt es naturgemäß schwer, selbst auf das Abstandhalten zu achten, unter Umständen merken sie es nicht, wenn ihnen jemand näher kommt, als es gut ist. Was können sie tun, um eine Ansteckung zu verhindern?

JSC: Hier sollte man auch nicht zu ängstlich sein. Es besteht gerade im offenen Raum, das heißt draußen, keine Gefahr, wenn einer zu nah an einem vorbei geht oder wenige Sekunden neben einem steht. Gefährlich wird es, wenn in geschlossenen Räumen ein Gespräch geführt wird und der Abstand mehrere Minuten, wir sagen 15 Minuten, nicht ausreichend ist. Aber das merkt man dann ja auch und die wenigen Sekunden, bis man es bemerkt, sind keine Gefahr.

VL: Gibt es neben den allgemeinen Regeln, wie richtiges Husten und Niesen, Abstandhalten und Händewaschen, andere Hygiene-Hinweise, die für blinde und sehbehinderte Menschen vielleicht hilfreich wären?

JSC: Das ist schon das wichtigste. Man sollte bei Sachen, die man normalerweise gemeinsam nutzt, darauf achten, dass man die Sachen personalisiert, das heißt, dass möglichst nur ein Mensch sie letztendlich benutzt und dass sie nicht durch viele verschiedene Hände gehen.

Das Gespräch wurde am 24. März 2020 geführt.

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Weitere gesicherte Informationsquellen zu den gesundheitlichen Fragen rund um Corona

Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Die BZgA stellt auf ihren Internetseiten aktuelle und fachlich gesicherte Informationen rund um das Coronavirus und die Erkrankung Covid-19 für Bürgerinnen und Bürger bereit. Sie finden hier außerdem wichtige Hygiene- und Verhaltensempfehlungen zur Vorbeugung von Infektionen. Oberstes Gebot: Möglichst viel zu Hause bleiben, sich nicht ins Gesicht fassen, gute Hygiene mit richtigem Händewaschen und richtigem Niesen und Husten sowie möglichst Abstand zu den Mitmenschen halten.

Hier finden Sie die
Internetseite der BZgA rund um das Thema "Coronavirus".

Die
Videos der BZgA im YouTube-Kanal "Corona Wissen kompakt",
sind gut verständlich, auch wenn man die Bilder nicht sieht.

Zu den Themen:

  • Verhaltensregeln und -empfehlungen zum Schutz vor dem Coronavirus
  • Informationen zur häuslichen Quarantäne
  • Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen

finden Sie unter folgender Adresse Informationen im Audioformat:

https://www.infektionsschutz.de/audioinhalte.html

 

Informationen des Robert-Koch-Institutes (RKI)

Die Webseite des RKI mit ausführlichen Informationen erreichen Sie unter:

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html

Wo gibt es spezielle Informationsangebote für behinderte Menschen?

Das Bundes Gesundheitsministerium (BMG) stellt eine vierseitige Broschüre mit Informationen zum Coronavirus in Brailleschrift zur Verfügung und schreibt dazu:

„Mit einfachen Maßnahmen können Sie helfen, sich selbst und andere vor Ansteckung zu schützen, Krankheitszeichen zu erkennen und Hilfe zu finden.“

Die Broschüre kann über den folgenden Link bestellt werden:

https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/publikationen/aktuelle-informationen-zum-coronavirus-in-brailleschrift-1735108

Außerdem gibt es auf den Seiten des BMG folgende weitere Informationsmöglichkeiten in barrierefreier Form:

Die Themenseite des BMG zum Corona-Virus erreichen Sie über den folgenden Link:

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html

Hier gibt es aktuelle Informationen, weiterführende Links, wichtige Kontaktadressen und auch eine Podcast-Reihe.

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Augenärztliche Versorgung in der Corona-Krise

Etwa seit Mitte März wurden alle planbaren und nicht notwendigen Untersuchungen, Behandlungen und Operationen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Auf diesem Weg sollte die Versorgung von Corona-Patientinnen und -Patienten mit schweren Krankheitsverläufen sichergestellt und eine Ausbreitung des Virus möglichst verhindert werden.

Aktuell sollen in Krankenhäusern wieder mehr Operationen und andere wichtige Behandlungen möglich sein. Genannt werden in diesem Zusammenhang auch Operationen am Grauen Star.

Ärztinnen und Ärzte warnen vor möglichen gesundheitlichen Schäden, wenn notwendige Arzttermine aus Angst vor Ansteckung nicht wahrgenommen werden. Auch augenärztliche Untersuchungen und Behandlungen sind nicht immer verschiebbar, ohne das Sehvermögen zu gefährden. Das betrifft zum Beispiel die intravitrealen Injektionen (Spritzen ins Auge) bei feuchter AMD oder bei einem diabetischen Makulaödem. Augenärztliche Notfälle sind zum Beispiel eine plötzlich eintretende Sehverschlechterung, eine Ablösung oder eine Entzündung der Netzhaut, ein akuter Glaukomanfall, eine Entzündung des Augeninneren, ein Hornhautgeschwür, ein neu diagnostizierter Tumor, eine offene Augenverletzung oder ein Fremdkörper im Auge.

Zum Schutz der Patientinnen und Patienten sowie des augenärztlichen Personals gilt es auch in der Augenarztpraxis oder in der Augenklinik, Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen strikt einzuhalten. Dadurch kann es zu Abweichungen von den normalen und gewohnten Abläufen kommen. Der Berufsverband der Augenärzte bittet um Beachtung von fünf Punkten beim Praxis- oder Klinikbesuch, die wir hier wie folgt zitieren:

  • Wenn Sie mit Covid-19 infiziert sind, ein Verdachtsfall sind oder unter Symptomen wie Fieber und Husten leiden, besprechen Sie mit uns telefonisch, ob ein akuter Termin überhaupt notwendig ist und gegebenenfalls wie dringlich dieser ist.
  • Wenn Sie sich unsicher über die Notwendigkeit der Behandlung sind oder Sorge haben, sich anzustecken, klären Sie bitte telefonisch vorab, ob Ihr Termin aufgeschoben werden kann.
  • Halten Sie Abstand! Vermeiden Sie direkten Kontakt zwischen Personen, sowohl in der Praxis oder Klinik als auch auf den Wegen.
  • Tragen Sie während des Aufenthaltes in der Augenarztpraxis Ihre Mund-Nasen-Schutzmaske.
  • Kommen Sie wenn irgend möglich ohne Begleitpersonen. (Zitat Ende)

Weitere Informationen des Berufsverbandes der Augenärzte:
https://augeninfo.de/cms/fileadmin/PDF/bva_patienteninfo_corona.pdf

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Kontaktlinsen und COVID-19

Neben dem gründlichen Händewaschen wird in Zeiten von COVID-19 immer wieder empfohlen, sich nach Möglichkeit nicht mit den Händen ins Gesicht zu fassen, besonders nicht in die Augen, da dies ein Risiko für die Übertragung des Corona-Virus ist oder sein könnte. Können da Kontaktlinsen weiter getragen werden?

In einer Pressemitteilung vom 31.03.2020 kommt die Vereinigung deutscher Contactlinsen-Spezialisten und Optometristen e. V. (VDCO) zu dem Schluss: Kontaktlinsentragen ist sicher – bei Einhaltung bestimmter Regeln (1). Sie verweist auf zwei Studien zu diesem Thema. Die Autoren beider Studien stimmen darin überein, dass die Tränenflüssigkeit von Infizierten kein sehr wahrscheinlicher Übertragungsweg für Covid-19 ist, dass jedoch weitere Studien mit einer höheren Anzahl von Probanden notwendig sind, um dies zu bestätigen (2, 3).

Prof. Dr. Christian Kempgens (Beuth Hochschule für Technik Berlin), erläutert was Kontaktlinsennutzerinnen und -nutzer jetzt besonders beachten müssen: „Es gelten dieselben Hygienebestimmungen wie sonst auch, mit der Empfehlung, nicht nur vor, sondern zusätzlich auch nach dem Auf- und Absetzen der Kontaktlinsen die Hände gründlich zu waschen – zum eigenen Schutz und zum Schutz der Mitmenschen. Und natürlich gilt wie immer: Kontaktlinsen nur tragen, wenn sich die Augen gesund anfühlen.“ Neben der strikten Einhaltung der persönlichen Hygiene müssen die bei der Kontaktlinsenanpassung mitgegebenen Pflegevorschriften genau beachtet werden. Benutzen Sie ausschließlich die festgelegten Hygiene- bzw. Pflegeprodukte und befolgen Sie die Austausch-Rhythmen und maximalen Trage- und Nutzungszeiträume, die auch in „normalen“ Zeiten gelten. So können Sie Kontaktlinsen auch in Zeiten von COVID-19 weiter tragen.

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Christian Kempgens, Professor für Kontaktoptik im Studiengang Augenoptik / Optometrie und Leiter des Labors für Kontaktlinsen an der Beuth Hochschule für Technik Berlin, der unsere Fragen per Mail beantwortete.

Quellen

(1) Informationen der VDCO für Endverbraucher:
https://www.vdco.de/hygiene-contactlinsen-tragen-covid19/

(2) Xia J, Tong J, Liu M, Shen Y, Guo D. Evaluation of coronavirus in tears and conjunctival secretions of patients with SARS‐CoV‐2 infection. Journal of Medical Virology (2020), DOI:
https://doi.org/10.1002/jmv.25725

(3) Yu Jun IS, Anderson DE, Zheng Kang AE, Wang L-F, Rao P, Young BE, Lye DC, Agrawal R. Assessing Viral Shedding and Infectivity of Tears in Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) Patients, Ophthalmology (2020), DOI: https://doi.org/10.1016/j.ophtha.2020.03.026

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Hinweise für Berufstätige

Im Zusammenhang mit der Einschränkung sozialer Kontakte ergeben sich zahlreiche arbeitsrechtliche Fragestellungen. Ausführliche Informationen finden Sie u. a. auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) unter dem folgenden Link:

https://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Informationen-Corona/informationen-corona.html

Hier geht es zum Beispiel um das Kurzarbeitergeld, Lohnfortzahlung bei Kinderbetreuung, arbeitsrechtliche Hinweise etc.

Die derzeitige Erkrankungswelle mit COVID-19 berechtigt Arbeitnehmer nicht automatisch, ihrer Arbeit fernzubleiben. Das gilt auch für blinde und sehbehinderte Menschen.

Wenn blinde und sehbehinderte Menschen aufgrund der behinderungsbedingten Schwierigkeiten (Erfordernis Gegenstände zu berühren, Schwierigkeiten bei der Reduktion von sozialen Kontakten wegen erforderlicher Assistenzleistungen) die Ansteckung fürchten, können sie versuchen, mit ihrem Arbeitgeber alternative Lösungen zu finden: Dazu gehören beispielsweise Homeoffice, kreative Arbeitszeitmodelle, Nutzung von Urlaub und Arbeitszeitkonten.

Auch wenn Homeoffice als eine Möglichkeit, soziale Kontakte zu minimieren, immer wieder empfohlen wird - ein gesetzlicher Anspruch darauf besteht derzeit nicht.

Sollte jemand zu einer Risikogruppe gehören, sollte mit dem behandelnden Arzt Kontakt aufgenommen werden, um die Arbeitsfähigkeit abzuklären.

Es ergeben sich für behinderte Menschen aber auch besondere Fragen in Bezug auf die Unterstützung am Arbeitsplatz. Informations- und Unterstützungsangebote sind bislang rar. Wenn behinderte Menschen, die am ersten Arbeitsmarkt tätig sind, aufgrund der Corona-Pandemie auf individuelle Unterstützung angewiesen sind, dann müssen sie auf flexible Kostenträger vor Ort hoffen. Einheitliche Absprachen, um Hilfen schnell und unbürokratisch zu bekommen, gibt es hier nicht.

Politik und Kostenträger haben bislang andere Schwerpunkte gelegt: So gibt es für Firmen mittlerweile verlängerte Fristen zur Anzeige der beschäftigten schwerbehinderten Menschen – die Grundlage für die Berechnung der Ausgleichsabgabe. Es gibt Weisungen, wie Einrichtungen in Corona-Zeiten mit Maßnahmen der beruflichen Teilhabe umgehen sollen und wie Behinderteneinrichtungen unterstützt werden.

Nachfolgend finden Sie einige Hinweise, die wir aufgrund der hier eingehenden Fragen blinder und sehbehinderter Menschen zusammengestellt haben:

Wenn Homeoffice keine Option ist: Kann ich eine finanzielle Unterstützung für die Bewältigung des Arbeitsweges mit einem Taxi bekommen?

Für viele blinde und sehbehinderte Menschen ist die Fahrt mit Bus und Bahn momentan eine echte Herausforderung. Wie soll man die richtige Buslinie herausfinden, wenn man den Busfahrer nicht mehr fragen kann, weil die vordere Eingangstür geschlossen bleibt? Wie soll man den Sicherheitsabstand zu anderen Menschen einhalten, wenn man sie nicht sieht? Wie soll man sich vor Infektionen schützen, wenn man alles berühren muss, um sich zurechtzufinden? Diese Probleme stellen sich natürlich auch auf dem täglichen Arbeitsweg.

Eine Unterstützungsmöglichkeit bietet unter bestimmten Voraussetzungen die Kfz-Hilfe nach der Kraftfahrzeughilfe-Verordnung (KfzHV). Im Rahmen der Härtefallregelung (§ 9 KfzHV) können unter Berücksichtigung einer Eigenbeteiligung des behinderten Menschen Zuschüsse für die Beförderung durch einen Beförderungsdienst geleistet werden. Dabei wird u. a. vorausgesetzt, dass der behinderte Mensch wegen Art und Schwere der Behinderung öffentliche Verkehrsmittel nicht benutzen kann.

Im Falle einer Antragstellung muss man begründen, weshalb man aus behinderungsbedingten Gründen den Arbeitsweg nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen kann und stattdessen eine Beförderung mit einem Beförderungsdienst (z. B. einem Taxi) unumgänglich ist.

Kommt keine Kfz-Hilfe in Betracht, sollten die anderen gesetzlichen Auffangklauseln im Recht der Teilhabe am Arbeitsleben genutzt werden, um besondere Härten bis hin zum Arbeitsplatzverlust zu vermeiden.

Letztlich handelt es sich immer um Einzelfallentscheidungen, die vor Ort zu treffen sind. Darauf wies uns die Bundesagentur für Arbeit auf Nachfrage hin.

Kann ich zusätzliche Hilfsmittel für meine Arbeitsplatzausstattung bekommen, um Arbeiten im Home-Office zu ermöglichen?

Grundsätzlich ist es den Rehabilitationsträgern und dem Integrationsamt rechtlich möglich, zusätzliche technische Arbeitshilfen zur Verfügung zu stellen.

Unabhängig von der rein rechtlichen Bewertung ist darauf hinzuweisen, dass einige Anbieter von Vergrößerungs- und Screenreader-Software vorübergehend kostenlose Lizenzen bereitstellen, um Arbeitsplätze im Home-Office nutzbar zu machen. Über diese Möglichkeiten sollte mit der jeweiligen Hilfsmittel-Firma gesprochen werden.

Was muss ich tun, um Unterstützung zu bekommen, und wer hilft mir weiter?

Will man als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer eine Kfz-Hilfe beantragen oder braucht man zusätzliche Hilfsmittel für die Arbeiten im Homeoffice, so muss man beim zuständigen Rehabilitationsträger (zu den in diesem Zusammenhang relevanten Rehabilitationsträgern gehören vor allem die Bundesagentur für Arbeit, die Träger der Rentenversicherung und die Träger der Unfallversicherung) einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben stellen.

Die Integrationsämter können im Rahmen der begleitenden Hilfen im Arbeitsleben unterstützen.

Ist man selbstständig oder in einem Beamtenverhältnis tätig, dann wendet man sich in jedem Fall zunächst ans zuständige Integrationsamt.

Die Bearbeitung eines Antrages auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder auf begleitende Hilfen im Arbeitsleben kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Zwar gibt es geregelte Fristen, aber gerade jetzt ist schnelle Hilfe gefragt. In diesem Fall gibt es die Möglichkeit der Kostenträger, Leistungen vorläufig zu erbringen. Alternativ gibt es in bestimmten Ausnahmesituationen auch die Möglichkeit, sich nach Antragstellung bestimmte Hilfen selbst zu organisieren und Kostenerstattung geltend zu machen. Voraussetzung ist, dass die Leistung unverzüglich erbracht werden muss. Wenn man davon Gebrauch machen will, sollte man das zumindest beim Kostenträger anzeigen und sich ggf. auch noch einmal rechtlich beraten lassen.

Wichtig: Suchen Sie bei einem Unterstützungsbedarf in jedem Fall umgehend den Kontakt zu ihrem zuständigen Kostenträger.

Die Sozialleistungsträger haben aufgrund der Corona-Pandemie derzeit ihre Vor-Ort-Services und -Sprechzeiten eingeschränkt. Über die Internetseite

www.ansprechstellen.de

haben Ratsuchende die Möglichkeit, die für sie relevante Ansprechstelle bei der Bundesagentur für Arbeit, der Rentenversicherung oder dem Integrationsamt mit den jeweiligen Kontaktdaten (Telefonnummer, E-Mail etc.) zu finden.

Wo kann ich Beratung und Unterstützung bekommen, wenn ich mit meinem Kostenträger nicht weiterkomme?

Bei rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der Behinderung können sich blinde und sehbehinderte Menschen direkt an die gemeinnützige Rechtsberatungsgesellschaft des DBSV „Rechte behinderter Menschen” wenden. Die Beratung ist kostenlos.

Kontakt: www.rbm-rechtsberatung.de

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Beratungsangebot "Blickpunkt Auge" in Corona-Zeiten

Blickpunkt Auge ist das qualitätsgesicherte Beratungsangebot des DBSV und seiner Landesorganisationen. Es richtet sich an Menschen mit Sehbeeinträchtigungen bis hin zur Blindheit oder mit Erkrankungen, die zu einem Sehverlust führen können, sowie an deren Angehörige.

Viele Beratungsstellen sind aufgrund der Corona-Pandemie nur eingeschränkt erreichbar und zeitweise auch ganz geschlossen. Die Beratungsmobile können nicht durchgehend unterwegs sein. Auf jeden Fall erreichen Sie Blickpunkt Auge per Telefon oder Mail.

Hier finden Sie die Kontaktdaten der Beratenden vor Ort. Gern können Sie sich auch an unseren überregionalen Dienst in Berlin wenden, Telefon: 030 – 28 51 87 287 oder Mail an info@blickpunkt-auge.de.

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Protecting yourself and others

Computer graphic: In the foreground a walking person. In front of and behind his head a colour cloud in different tones. Behind him another person is exposed to the colour cloud. Headline: "Walking behind each other at 4 km/h. Less safe." Below 3 logos.
Spreading of tiny droplets through respiratory air

You should keep a distance of two metres to people you do not live with - this is the central rule to prevent a corona infection. It is clear that this rule is violated if you let another person guide you. Blind and visually impaired people must therefore calculate the risk: On the one hand the safe, fast and accident-free movement, on the other hand the prevention of an infection risk.

In principle, one should avoid situations in which one is dependent on being guided by others, especially strangers. In many cases it is quite possible for blind and visually impaired people to move alone and yet safely through public spaces, even if it may take a little bit longer. It is also often possible to avoid going out, for example by having an assistance service take care of the grocery shopping.

Viruses can be transmitted via tiny droplets while breathing. A study conducted by the universities of Leuven (Belgium) and Eindhoven (Netherlands) under the supervision of Bert Blocken investigated how these droplets behave when two people walk in the same direction. According to this study, most exposure to droplets exists when you walk behind someone, because then you get the "cloud of droplets" of the person in front in your face. If, on the other hand, you walk next to each other, the risk is lowest.

By respecting the following advice, the risk of infection cannot be reduced to zero, but at least it can help to protect yourself and others:

  • Avoid situations in which you are dependent on guidance from strangers
  • Accept help only if it is really necessary (don't accept every kind offer you receive if you don't really need it)
  • If possible, replace guiding with vocal instructions, i.e. the guide makes direction announcements from a safe distance to navigate you
  • When accepting help: if possible, walk side by side with occasional brief contact (touching with the back of the hand) and the sighted person's voice as orientation
  • Wearing of a face mask, especially by the guiding person
  • Ask strangers who are willing to help whether they are wearing a protective face mask before accepting help
  • Do not touch the guide by the elbow (could be contaminated by coughing in the bent elbow), but rather by the upper arm, use a glove if necessary
  • Use a rope with knots or a so-called "walking ball" (rope with wooden balls at the ends) as a connection when guiding
  • Strict hand hygiene - never touch your face with the hand that touched the guide

Last updated: April 16, 2020

More Information (Q&A) on the study by the Universities of Leuven and Eindhoven