Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen

Ein bodengebundenes Leitsystem hilft blinden und sehbehinderten Menschen, sich im öffentlichen Raum zu orientieren. Es zeigt beispielsweise an, wo ein Weg entlangführt oder an welcher Stelle eine Straße sicher überquert werden kann. Damit es diese Funktion erfüllen kann, muss es stets freigehalten werden.

Was ist ein Leitsystem?

Ein Leitsystem besteht aus rippen- und noppenförmigen Bodenplatten (sogenannten Bodenindikatoren), die so aneinandergereiht werden, dass sie ein lückenloses Wegesystem bilden. Es kann von blinden und sehbehinderten Menschen über den Langstock oder bei einem Sehrest auch mit den Augen wahrgenommen werden. Ein bekanntes Beispiel ist die umgangssprachlich sogenannte „weiße Linie“ am Bahnsteig. Sie besteht aus hintereinander verlegten Rippenplatten und wird in der Fachsprache „Leitstreifen“ genannt. Solche Leitstreifen und andere Elemente eines Bodenleitsystems finden sich auch auf Plätzen und Gehwegen.

Ein Mann orientiert sich am Leitsystem eines Bahnsteigs
Ein Leitsystem mit Rippen- und Noppenplatten (Bild: DBSV/Oliver Ziebe)

Häufig wird im Zusammenhang mit Leitsystemen der Begriff Blindenleitsystem verwendet. Ein Leitsystem unterstützt jedoch sowohl blinde als auch sehbehinderte Menschen. Es ist so gestaltet, dass es über verschiedene Sinne wahrgenommen werden kann:

  • taktile Wahrnehmung: durch die mit den Füßen oder dem Langstock fühlbare Struktur der Rippen und Noppen
  • visuelle Wahrnehmung: durch einen hohen Hell-Dunkel-Kontrast zur Umgebung
  • akustische Wahrnehmung: durch die Klänge, die die unterschiedlichen Oberflächen beim Abtasten mit dem Langstock erzeugen.

Gut zu wissen: Um eine gute visuelle Wahrnehmung zu gewährleisten, sind die Bodenplatten des Leitsystems nicht immer weiß. Ihre Farbe ist abhängig von der Farbe des umgebenden Bodens und wird so gewählt, dass sie einen möglichst hohen Kontrast zur Umgebung bildet.

Wichtig: Leitsysteme immer freihalten!

Insbesondere auf Bahnsteigen wird das dort vorhandene Leitsystem oft mit einer Sicherheitsmarkierung verwechselt. Dann hört man zum Beispiel bei Kindergruppen die Anweisung, dass alle nur bis zur „weißen Linie“ gehen dürfen. Dadurch wird der Leitstreifen blockiert und ist für blinde und sehbehinderte Menschen nicht mehr nutzbar – sie können in gefährliche Situationen geraten.

Auch auf Plätzen und Gehwegen kommt es immer wieder vor, dass Autos auf dem Leitsystem parken. Oft werden auch Fahrräder, E-Scooter oder sogar Marktstände darauf aufgestellt. Doch nur freie Leitsysteme können sicher genutzt werden.

Daher gilt:

  • Bodenmarkierungen freihalten: Stellen Sie keine Gegenstände auf den Markierungen ab und vermeiden Sie es, sich unnötig darauf aufzuhalten.
  • Aufmerksam sein: Wenn Sie bemerken, dass Leitstreifen blockiert sind, handeln Sie! Weisen Sie Personen auf einem Bahnsteig auf die Bedeutung des Leitstreifens hin oder räumen Sie, wenn möglich, Hindernisse beiseite.

Wie funktioniert ein Leitsystem?

Bodenleitsysteme bestehen aus zwei grundlegenden Arten von sogenannten Bodenindikatoren:

  • Rippenplatten – Platten mit linienförmigen Erhebungen: Sie dienen der Leitung blinder und sehbehinderter Menschen entlang eines Weges.
  • Noppenplatten – Platten mit kreisrunden Erhebungen: Sie signalisieren: Achtung, erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich!

Diese Elemente werden in unterschiedlichen Kombinationen verlegt und erhalten dadurch verschiedene Bedeutungen. Einige Beispiele:

  • Leitstreifen: Ein durchgehender Streifen aus Rippenplatten. Er führt blinde und sehbehinderte Menschen sicher von einem Punkt zum anderen.
  • Abzweigefeld: Eine quadratische Fläche aus Noppen innerhalb eines Leitstreifens. Sie zeigt an, dass der Weg hier abzweigt oder mehrere Richtungen möglich sind.
  • Gesicherte Querung: Ein Streifen aus Noppen, der in eine Fläche von Rippenplatten übergeht. Er markiert eine sichere Querungsstelle – etwa einen Zebrastreifen oder eine Ampel.

Leitsysteme sind komplexe Orientierungshilfen. Sie müssen sowohl von denjenigen, die sie planen und verlegen, als auch von denjenigen, die sie nutzen, verstanden und erlernt werden.

Nicht überall ist ein Leitsystem aus Rippen- und Noppenplatten notwendig. Sogenannte „sonstige Leitelemente“ wie Bordsteine, Wände oder unterschiedliche Gehwegstrukturen können ebenso der Wegeführung dienen.

Weitere Informationen

Für die Gestaltung von Leitsystemen und die Verwendung von sonstigen Leitelementen gibt es die DIN-Norm 32984 „Bodenindikatoren im öffentlichen Raum“. Diese Norm beschreibt Leitsysteme und sonstige Leitelemente nicht nur für den Verkehrsraum, sondern auch für die Orientierung in Gebäuden.

Bodengebundene Leitsysteme sind Teil von vernetzten Orientierungssystemen für blinde und sehbehinderte Menschen, die weitere Elemente umfassen. Dazu gehören zum Beispiel auch die akustischen Signale an Ampeln oder die Beschriftungen auf Handläufen. Einschlägig ist hierfür die DIN Normenreihe 18040 „Barrierefreies Bauen“.

Zudem informiert auch der Gemeinsame Fachausschuss für Umwelt und Verkehr (GFUV) zum Thema Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen: