Alltagstricks: Haushalt und Küche

Alltagstricks rund ums Abmessen/Abwiegen, Backen, Eingießen, Essen mit Genuss, Kochen uvm.

Kontraste, Farben und Beleuchtung

Es gibt viele Gestaltungsmöglichkeiten mit Kontrasten, Farben und Beleuchtung, die sehbehinderten Menschen helfen können, im Haushalt schneller und gefahrloser klarzukommen.

Die folgenden Tricks stammen aus der Broschüre „Wohnberatung für Sehbehinderte und Blinde“ von Richard Schmidt.

  • Kanten von Tischen, Arbeitsplatten und Regalen sollten farblich zur Umgebung abgesetzt werden. Beim Neukauf der Küche können die Kanten extra ausgesucht werden.
  • Griffe sollten entweder farblich abgesetzt oder aus „glitzerndem“ Material gewählt werden.
  • Schranktüren, Fensterbänke, Türrahmen, Türblätter, Mülleimer usw. sind farblich so zu gestalten, dass sie einen Kontrast zur Umgebung bilden. Evtl. können sie mit Kontraststreifen dekorativ gestaltet werden.
  • Bei Glastüren sollte an ausreichend breite Kontraststreifen gedacht werden. Dekoratives, Kontrastreiches kann auch mit Magneten beschädigungsfrei angebracht werden.
  • Spiegelnde Oberflächen können zu Blendungen und Irritationen führen. Für stark Blendempfindliche sind gedecktfarbige Möbel, Bodenbeläge und Geschirr wichtig; weiße Tische oder Tischdecken, weißes Geschirr usw. sind ungünstig.
  • Gerade bei der Tischdekoration sind der kontrastreichen Gestaltung fast keine Grenzen gesetzt, z.B. durch farbige Tischdecken, abgesetzte Sets, farbiges Geschirr, Besteck mit farbigen Griffen.
  • Die Farben von Vorhängen, Sitzkissen, Handtüchern können so ausgewählt werden, dass sie als Orientierungspunkte dienen.
  • Blendfreies, gezieltes Licht ist hilfreich.
  • Halogenstrahler sind nicht überall hilfreich, unter Hängeschränken ist wegen der hohen Hitzeentwicklung für Finger und Holz Vorsicht geboten.
  • Nicht nur unter dem Küchenschrank lassen sich ganz ideal Lumilux- und Luminestra-Leuchten, die in einem Gehäuse untergebracht sind, mit Doppelklebeband auch nachträglich befestigen.
  • „Kaltlichtleuchten“ sind auch für die Innenbeleuchtung von Schränken eine nachdenkenswerte Alternative. Sogenannte „Lichtleuchtwangen“ sorgen auch für Licht in den dunkelsten Ecken. Grob vereinfacht beschrieben handelt es sich um leuchtende, blendfreie Flächen ohne Hitzeentwicklung. Wenn sie in die Seitenwände der Oberschränke montiert sind, erleuchten z. B. Vitrinenschränke. Wenn diese Beleuchtung hinter einer geschlossenen Holztür angebracht wird, kann ein zusätzlicher Schalter durch das Öffnen der Tür betätigt werden und die Lampe im Schrank ähnlich wie beim Kühlschrank einschalten.
  • Durch sogenannte „Lichtstollen“ können Schränke und elektrische Geräte unglaublich kontrastreich voneinander abgesetzt und dadurch unterschieden werden. Dies lässt die Küche im eleganten Licht erstrahlen.

Abmessen/Abwiegen

  • Verwenden Sie möglichst stets dieselben Gefäße - dadurch bekommen Sie ein Gefühl für die benötigten Mengen. Für den normalen Hausgebrauch können Sie sich merken: Ein Kaffeebecher fasst ca. 1/4 l Flüssigkeit, eine Kaffeetasse fasst ca. 1/8 l Flüssigkeit.
  • Flüssigkeiten (Milch, Wasser, Wein…) können Sie auch abwiegen: 100 ml = 100 g, 1/2 Liter = 500 g, 1 Liter = 1000 ml = 1kg
  • Bei modernen Waagen mit Zuwiegeeinrichtung: Sie stellen ein Gefäß auf die Waage, die Waage richtet sich auf "null" aus, Sie geben die gewünschte Menge ins Gefäß, schalten die Waage kurz aus und wieder ein, sodass diese sich auf „null“ stellt, und fügen die nächste Zutat hinzu. Dies solange wiederholen, bis alle Zutaten beisammen sind.
  • Kleine Mengen von Flüssigkeiten lassen sich gut mit einem Kaffee-Portionierlöffel abmessen.

Hilfsmittel

  • Messbecher: Set, vier Edelstahlbecher für 250, 125, 80 und 60 ml Inhalt(erhältlich bei unterschiedlichen Blindenhilfsmittelfirmen).
  • Edelstahl-Messbecher mit fühlbaren Innenmarkierungen (erhältlich in Haushaltswarengeschäften).
  • Messlöffel gibt es in den Inhaltsmengen 100 ml, 50 ml, 25 ml, 15 ml, 5 ml und 1 ml (in Haushaltswarenläden, auch bei Blindenhilfsmittelfirmen).
  • Feindosierlöffel aus Kunststoff mit verschiebbarem Keil von 1-10 Gramm (erhältlich bei Blindenhilfsmittelfirmen).
  • Sprechende Waagen (unterschiedliche Blindenhilfsmittelfirmen bieten verschiedene sprechende Waagen an).

Backen

  • Auch ohne optische Kontrolle kann man testen, ob ein Kuchen durchgebacken ist. Dazu mit einem langen dünnen Gegenstand (Nadel, Stricknadel, Zahnstocher, etc.) hineinstechen. Bleibt Teig daran zurück, ist der Kuchen noch nicht fertig.
  • Die Backform zum Befüllen auf ein Brett stellen, mit dem Brett zusammen in den vorgeheizten Ofen schieben, danach das Brett unter der Form herausziehen.
  • Es gibt Silikonbackformen, in denen auch ohne vorheriges Ausfetten der Form nichts anklebt. Diese sind in Kaufhäusern erhältlich.
  • Zum Einfetten von Back- und Auflaufformen oder Backblechen gibt es Sprayflaschen mit Öl.

Eingießen

  • Um ein Gefäß nicht zum Überlaufen zu bringen, können Sie den Finger am oberen Ende des Gefäßes platzieren; mit etwas Übung können Sie – in leiser Umgebung - auch anhand des Geräusches, das bei zunehmender Fülle des Gefäßes heller wird, erkennen, wann ein Gefäß voll ist.
  • Beim Befüllen von Wassererhitzern empfiehlt es sich, das Gefäß zum Abmessen der Wassermenge zu verwenden, das befüllt werden soll.
  • Ein Trichter nimmt die Angst vor dem Eingießen speziell heißer Flüssigkeiten in Gefäße mit schmaler Öffnung. Außerdem können Sie gut hören, wenn die Flüssigkeit das untere Ende des Trichters erreicht hat.
  • Evtl. große Tassen, standfeste Gläser und/oder eine Pumpisolierkanne verwenden, denn: lassen Sie die Vorrichtung los, kommt keine Flüssigkeit mehr.
  • Zum Abgießen von Kartoffeln, Eiern, Gemüse o. ä. eignen sich italienische Nudeltöpfe in mehreren Größen. Diese Töpfe haben schräge Deckel. Wenn man den auf dem Topf liegenden Deckel um 180 Grad dreht, sind an der nun freien Seite Löcher im Deckel, durch die man das Wasser aus dem Topf verletzungsfrei weggießen kann.
  • Einige Blindenhilfsmittelfirmen vertreiben eine sog. Abgießhilfe. Diese wird mit Hilfe einer Feder über dem Topf befestigt. Die Abgießhilfe ist wie ein Topfdeckel mit Löchern, die fest auf dem Topf sitzt, sodass beim Abgießen das Festhalten des Topfdeckels entfällt.
  • Öl lässt sich leichter ertasten, wenn es im Kühlschrank aufbewahrt wird.

Essen mit Genuss

  • Bestreichen von Brotscheiben:
    • Bei eckigem Brot von einer Ecke zur diagonal gegenüberliegenden Ecke streichen, Brot viermal drehen
    • Längliche Brotscheiben: Systematisch von oben nach unten, von links nach rechts streichen, dann die Scheibe umdrehen und dasselbe wiederholen
  • Kuchen evtl. mit Messer und Gabel essen - dies ist übrigens in manchen Ländern durchaus üblich - oder mit Kuchengabel und Kaffeelöffel. Der Löffel übernimmt dann die Funktion des Messers
  • Essensverteilung auf dem Teller Sie stellen sich den Teller als Zifferblatt vor und legen die Speisen immer auf die gleichen „Zeiten“. Fleisch z.B. sollte auf 6 Uhr liegen, weil sie es da am besten schneiden können.
  • Für Sehbehinderte ist das Essen auf dem Teller besser erkennbar, wenn man Geschirr verwendet, dass einen Kontrast entstehen lässt. Für helle Lebensmittel dunkles Geschirr und für dunkle Lebensmittel helles Geschirr verwenden.
  • Gekochte Eier können Sie leicht mit einer sog. Eierschere öffnen. Die Eierschere über den Kopf vom Ei stülpen und zusammendrücken. Durch den Druck wird die Schale von kleinen Zähnchen rundum aufgebrochen (erhältlich in Haushaltswarengeschäften).

Kochen und Braten

  • Zur Vermeidung von Klumpen beim Einrühren von Mehl in eine Flüssigkeit das Mehl mit Wasser in einem Schüttel-Mixbecher auflösen und dann in die Sauce einrühren. Den Schüttelbecher gibt es in Haushaltswarengeschäften zu kaufen
  • Das Schälen von Obst und Gemüse gelingt leichter mit einem Sparschäler. Diesen gibt es in Haushaltswarengeschäften zu kaufen.
  • Beim Kartoffelschälen während des Schälens die Kartoffeln immer mal wieder in einen Topf mit warmem Wasser eintauchen. So fühlen Sie besser, wo noch Schale an der Kartoffel ist
  • Speisen würzen Keine Gewürzstreuer benutzen, sondern die Gewürze in flache Schraubgläschen füllen, die eine weite Öffnung haben. So können Sie zwischen Daumen und Zeigefinger die entsprechenden "Prisen" herausgreifen.
  • Manche Gewürze wie: Lorbeerblatt, Wachholderbeeren, Pfefferkörner, Nelken etc. möchte man vor dem Servieren aus den Gerichten entfernen. Das geht ganz einfach, wenn man diese Gewürze zuvor in einem Einmal-Teefilter füllt und diesen mit einem Teeklipp verschließt, der am Rand des Kochgefäßes eingehakt werden kann. (Einmal-Teefilter und Teeklipps sind in den meisten Haushaltswarengeschäften oder im Teeladen zu bekommen.)
  • Das Überkochen von Milch lässt sich durch Einsatz eines Milchwächters vermeiden. Der Milchwächter ist eine ca. drei cm große Porzellanscheibe. Diese wird in den Topf gelegt. Sobald die Milch anfängt zu kochen, verursacht die Scheibe ein gut hörbares Geräusch. Anschließend den Milchwächter mit dem Schaumlöffel aus dem Topf nehmen (der Milchwächter ist in Haushaltsgeschäften erhältlich).
  • Zum Braten eignet sich am besten eine Doppelpfanne. Sie schließt dicht und das Bratengut kann durch Umdrehen der Pfanne gewendet werden (die Doppelpfanne ist in Spezialversandhäusern erhältlich
  • Ist es unvermeidbar, das Bratengut in der Pfanne anzufassen, die Finger mit kaltem Wasser anfeuchten. Evtl. auch ein Schälchen mit kaltem Wasser neben dem Herd stellen, damit Wasser immer schnell zur Hand ist. Das Wasser unter dem Finger verdunstet und bildet so ein Dampfpolster.
  • Möchten Sie nachkontrollieren, ob der heiße Topf z. B. nach dem Umrühren noch richtig auf der Herdplatte steht, können Sie mit dem Holzlöffel am Topfrand entlangfahren und so die Position des Topfes erkennen.
  • In manchen Kaufhäusern gibt es Wasserkocher, bei denen auf der Innenseite fühlbare Markierungen für die Wassermengen (0,5 Liter, 1 Liter usw.) angebracht sind.

Haushaltsgeräte bedienen

  • Beim Neukauf von Haushaltsgeräten, die mit Tasten bedient werden, ist es günstig, darauf zu achten, dass sie keine Sensortasten haben und dass die Tasten gut fühlbar sind.
  • Mitunter kann es hilfreich sein, Tasten/ Drehknöpfe/ Schalter von Küchengeräten, die nicht über Einrastmöglichkeiten verfügen, zu markieren. Geeignete Möglichkeiten sind z. B. Klebepunkte (diese gibt es bei Blindenhilfsmittelfirmen), Tesa- bzw. Dymobandstreifen oder Glasmalpaste, das leichte Einfeilen oder Anbohren der Tasten oder das Markieren der Tasten mit einem heißen Nagel, sodass sie gut fühlbar werden.
  • einen Ordner für Geräteinfos anlegen, dort abheften: eigene Notizen zu den wichtigsten Daten (Gerätebezeichnung, wann, wo zu welchem Preis gekauft), Quittung und Gebrauchsanleitung

Wichtige Hinweise zum Thema „Herd“

  • Um zu prüfen, ob der Topf richtig auf der Heizplatte eines Ceranfeldes steht, kann man ein feuchtes Tuch benutzen, kommt dieses direkt mit der Heizplatte in Berührung, zischt es.
  • Ist es nötig, kurz auf die Herdplatte zu fassen – z. B. um zu sehen, ob der Topf/die Pfanne richtig platziert ist, die Finger kurz anfeuchten. Das Wasser unter dem Finger verdunstet und bildet so ein Dampfpolster.
  • Herde haben in der Regel ein Kontrolllämpchen, das leuchtet, wenn der Herd eingeschaltet ist. Deshalb sollten sehbehinderte Menschen beim Einkauf darauf achten, dass das Lämpchen gut sichtbar ist. Blinde Menschen können mit Hilfe eines Lichtsensors kontrollieren, ob die Lampe am Herd leuchtet (der Lichtsensor ist ein kleines Gerät, dass es bei Blindenhilfsmittelfirmen zu kaufen gibt).
  • Ceranfelder an Herden haben den Vorteil, dass die Töpfe nicht kippen können und sich der Herd besser säubern lässt. Manche Ceranfelder sind leicht gerillt, sodass gut erkennbar ist, wie der Topf platziert werden muss.
  • Zum Erhitzen von Milch und anderen Speisen, die nicht gekocht werden sollen, kann man einen Simmertopf, einen doppelwandigen Topf ohne Deckel benutzen. Der Raum zwischen Außen- und Innenwand wird zu etwa einem Drittel der Höhe mit Wasser gefüllt. Da die Innenwand keinen direkten Kontakt mit der Herdplatte hat, erreicht sie nirgends eine Temperatur über 100°C. Wenn man sterilisiertes oder gefiltertes Wasser verwendet, spart man sich - wie beim Dampfbügeleisen - das Entkalken. Zum Einfüllen nimmt man am besten einen Trichter. Wenn das Wasser kocht, hört man Dampf aus dem Ventil entweichen und braucht kein Überkochen des Topf-Inhalts zu befürchten. Je eher man dann den Topf vom Herd nimmt, desto seltener braucht man das Wasser zu erneuern, da immer nur ein ganz geringer Teil verdampft.
  • Induktionsherd: Die Platten selbst werden nicht beheizt, wodurch man sich daran nicht verbrennen kann. Im Topfboden werden durch ein Magnetfeld Eisenmoliküle bewegt und dadurch entsteht Wärme. Die Arbeitsfläche auf dem Herd ist leicht zu reinigen. Außerdem ist es egal, welche Herdblattengröße man benutzt, es wird nur dort warm, wo auch der Topf Kontakt mit dem Kochfeld hat. Ein Induktionsherd von Neef hat Drehknöpfe um die Temperatur zu regeln, nicht wie üblich nur Sensortasten. Wenn man ausschaltet, ist die Hitze sofort weg. Beim Fleisch Braten kann man die Platte zum Umdrehen des Fleischs kurz ausschalten, dann spritzt das Fett nicht so.

Schneiden

  • Um ohne die Gefahr des sich Schneidens zu erkennen, welche Seite die scharfe Seite eines Messers ist, können Sie mit der Gabel an der Messerseite entlangfahren.
  • Manche Gemüsesorten lassen sich mit der Hobelfläche einer Reibe leicht fein schneiden.
  • Für dünne und gleichmäßige Käsescheiben eignet sich ein Käsehobel (erhältlich in Haushaltswarengeschäften).
  • Pizzas, Quiches und Pies lassen sich gut mit einem Pizzaschneider zerteilen (erhältlich in Haushaltswarengeschäften).

Die Alltagstricks wurden zusammengestellt vom Hessischen Koordinationsbüro für Frauen mit Behinderung im PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband, Landesverband Hessen e. V. und dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband. Haben Sie noch einen Alltagstrick, den Sie in unserer Liste nicht finden, freuen wir uns, wenn Sie uns diesen mailen an: info@alltagstricks.de.

Alltagstricks beim Waschen und Putzen

Alltagstricks rund um Körperpflege und Schminken

Alltagstricks im Umgang mit Medikamenten

Alltagstricks für mehr Ordnung in der Küche, im Kleiderschrank, am Arbeitsplatz etc.

Alltagstricks zum Ablesen der Uhrzeit, Telefonieren und Leisten von Unterschriften

Alltagstricks beim Lesen, Handarbeit/Nähen, Fotografieren und Spielen

Alltagstricks rund ums Einkaufen

Alltagstricks zum Bezahlen mit Bargeld

Alltagstricks wenn man unterwegs ist

Alltagstricks rund ums Verreisen