Sehbehindertentag 2013 – Sehen in Alterseinrichtungen

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) hat gemeinsam mit dem Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) zum Sehbehindertentag am 6. Juni 2013 eine Qualitätsoffensive für besseres Sehen in Alterseinrichtungen gestartet.

Die Aktion wurde in Kooperation mit heimverzeichnis.de und mit Unterstützung von Bayer HealthCare durchgeführt. Alle Senioreneinrichtungen in Deutschland wurden angeschrieben und erhielten eine 40-seitige Broschüre mit Informationen zum Thema. Parallel fanden bundesweit 21 Schwerpunkt-Aktionen statt, jeweils bestehend aus einer Begehung, einer stichprobenartigen Untersuchung der Bewohner durch einen Augenarzt und einem abschließenden Runden Tisch.

Der DBSV hat die regionalen Koordinatoren um Feedback gebeten – was war Thema am Runden Tisch, wo drückt der Schuh? Dazu muss man wissen, dass die Aktionen einen ganzheitlichen Ansatz verfolgten. Das Thema „Sehen“ in all seinen Facetten sollte auf die Tagesordnung der Einrichtungen gesetzt werden und die Leitungsebene sollte im Sinne eines fruchtbaren Dialogs sensibilisiert werden. Dementsprechend breit war auch das Spektrum der Fragen, die am Runden Tisch diskutiert wurden – von der Hilfsmittel-Finanzierung über geeignete Leitsysteme bis zu Hörbuchformaten.

Zwei Themen wurden nahezu flächendeckend angesprochen, hier hat die Aktion ganz offensichtlich einen Bedarf aufgedeckt. Bei der Ausbildung und Sensibilisierung des Fachpersonals in den Einrichtungen gibt es Verbesserungspotenzial. Das Thema „Sehen“ kommt zwar im Lehrplan vor, aber es hapert bei der Umsetzung in der Praxis. Wie erkennt man beginnende Augenkrankheiten? Wie unterscheidet sich der Unterstützungsbedarf bei den verschiedenen Sehbehinderungen? Welche Hilfsmittel sind sinnvoll? Sehr oft wurden die Selbsthilfevertreter nach entsprechenden Schulungen gefragt. In einigen Bundesländern gibt es bereits solche Angebote, in anderen sollen die existierenden Konzepte nun übernommen und weiterentwickelt werden.

Das zweite große Thema ist die Versorgungslücke, die vielerorts zwischen den Einrichtungen und den Augenärzten zu klaffen scheint. Die Augenärzte verweisen darauf, dass sie nur in der Augenarztpraxis vollumfängliche Untersuchungen durchführen können, die Heimleitungen dagegen möchten beispielsweise dementen Bewohnern keine Wartezeiten außerhalb ihrer gewohnten Umgebung zumuten. Bei bettlägerigen Patienten ist der Praxisbesuch gänzlich ausgeschlossen. Kein Wunder, dass die teilnehmenden Augenärzte oft einen schlechten Untersuchungsstand der Bewohner konstatierten und zahlreiche AMD-, Glaukom- und Katarakt-Diagnosen stellten.

Die Aktion „Sehen in Alterseinrichtungen“ zum Sehbehindertentag 2013 ist in eine Lücke gestoßen, weitere Aktivitäten sind nötig und teilweise bereits in der ersten Planungsphase. Eine Vernetzung dieser Aktivitäten soll über die Plattform www.sehen-im-alter.org erfolgen.

Zahlen und Fakten

Laut einer Veröffentlichung der Statistischen Ämter waren im Jahr 2009 ungefähr 1,6 Mio. Menschen in Deutschland älter als 75 Jahre und zugleich pflegebedürftig. Fast ein Drittel der Pflegebedürftigen lebte in einem der 11.600 Pflegeheime. Hinzu kommt eine nicht erfasste Zahl von Menschen ohne Pflegebedarf, die in einem Altenwohnheim oder im Betreuten Wohnen leben.

Ein großer Teil der älteren Menschen ist von Seheinschränkungen betroffen. Wie eine Langzeitstudie des Deutschen Zentrums für Altersfragen ergab, hat fast ein Drittel der über 75-Jährigen Schwierigkeiten beim Lesen einer Zeitung – selbst wenn dazu eine Sehhilfe benutzt wird. 17 Prozent geben Probleme beim Erkennen einer Person auf der Straße an.

Forderungen der Verbände

DBSV und BVA fordern zur Verbesserung der Situation unter anderem staatliche Unterstützung für Modellprojekte zur Optimierung der augenärztlichen Versorgung in Senioreneinrichtungen, eine ausreichende Ausstattung der Bewohner mit Sehhilfen sowie eine verbesserte Ausbildung des Fachpersonals zum Sehen im Alter.

Ansprechpartner und Pressekontakt

Volker Lenk Pressesprecher Telefon: 030 285387-140

Sehbehindertentag 2013 - Regionale Schwerpunkt-Aktionen

Regionale Schwerpunkt-Aktionen fanden unter anderem in folgenden Orten statt:

  • 01589 Riesa
  • 09112 Chemnitz
  • 10777 Berlin
  • 14165 Berlin
  • 17139 Malchin
  • 19053 Schwerin
  • 19059 Schwerin
  • 21436 Marschacht
  • 22087 Hamburg
  • 24106 Kiel
  • 28259 Bremen
  • 30982 Pattensen
  • 32689 Kalletal
  • 32758 Detmold
  • 38108 Braunschweig
  • 40724 Hilden
  • 53757 Sankt Augustin
  • 64289 Darmstadt
  • 81829 München
  • 84028 Landshut
  • 99438 Bad Berka

Welche Folgen kann eine Sehbehinderung haben?

Der Artikel „Wenn es nur das schlechte Sehen wäre…“ von Prof. Dr. Focke Ziemssen erläutert, die Wechselwirkungen zwischen Sehbehinderung im Alter und weiteren Erkrankungen (Auszug aus dem DBSV-Verbandsmagazin „Gegenwart“, Ausgabe Juni 2013).

Was kann die Heimleitung tun?

In der DBSV-Broschüre „Sehbehinderte Menschen in Alterseinrichtungen“ finden Sie zahlreiche Hinweisen für Heimleitungen.

Sie können die Broschüre „Sehbehinderte Menschen in Alterseinrichtungen“ in gedruckter Form bei den Landesvereinen bestellen.

Die Bilder stehen als druckfähige Pressebilder im jpg-Format zur Verfügung:

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