Kunst tastbar machen

Gute tastbare Abbildungen für alle

Reiner Delgado (DBSV)

In der Vermittlung von kulturellen Gütern, Kunstwerken, Architektur, Landschaftsstrukturen oder wissenschaftlich-technischen Dingen sind generell folgende Methoden in der dargestellten Rangfolge sinnvoll. Bei Menschen mit Seheinschränkung, die Abbildungen, Fotos, Grafiken, Filme u. ä. nur eingeschränkt wahrnehmen können, sind diese Methoden besonders wichtig. Ein ganzheitlicher Zugang mit möglichst vielen Sinnen dient aber allen Menschen.

  1. Aktives Handeln im Nachempfinden des Gegenstandes
    • Die Körperhaltung einer auf einem Gemälde dargestellten Person kann nachgeahmt werden.
    • Eine dargestellte Handlung kann nachgeahmt werden.
    • Ein technischer oder biologischer Prozess kann experimentell nachempfunden werden.
  2. Originalobjekte
    • Originalobjekte sollten zugänglich gemacht werden. So viele Gegenstände wie möglich sollten betastbar sein. Bei empfindlichen Oberflächen können dafür Baumwoll- oder Latexhandschuhe benutzt werden. Bei sehr wertvollen oder empfindlichen Objekten sind originalgetreue Nachbildungen hilfreich. Auch originalgetreue Teile eines Objektes verhelfen zu einem ganzheitlichen Eindruck, wie ein spezieller Farbauftrag auf einer Leinwand zum Betasten, ein Zahnrad oder Getriebe, die Blüte einer Pflanze.
  3. Modelle
    • In manchen Fällen können originale oder originalgetreue Objekte nicht zugänglich gemacht werden, z. B. wenn das Original zu groß, zu spitz, auf sonstige Art gefährlich oder zu wertvoll ist. Modelle können dann einen Eindruck von dem Objekt vermitteln.
  4. Tastbare Abbildungen
    • Solche sind vor allem dann sinnvoll, wenn auch das Original „Flachware“ ist, z. B. ein Gemälde, ein Plan, eine Landkarte ... Reliefgrafiken können aber auch aus Platz- oder Kostengründen die einzige Option eines tastbaren Mediums sein.
  5. Beschreibungen
    • Vor allem Objekte oder Sachverhalte, die tastbar kaum oder gar nicht darstellbar sind, können beschrieben werden.

Zehn Grundsätze für die Herstellung tastbarer Objekte

  1. Orientierung an der Zielgruppe und dem Kontext
    • Die folgenden Kriterien gelten nicht für alle blinden und sehbehinderten Menschen gleich. Die Gestaltung von Abbildungen sollte immer die konkrete Zielgruppe berücksichtigen. Für in Tastschulung und Begriffsentwicklung unterschiedlich Fortgeschrittene bzw. für Geburtsblinde oder später Erblindete können Abbildungen verschiedener Komplexität oder Abstraktion sinnvoll sein. Wichtig ist auch der Rahmen, in dem ein Tastmedium genutzt wird. An ein Gebäudemodell draußen neben einer Kathedrale sind ganz andere Anforderungen zu stellen als an Reliefs, die bei Führungen nur in kleinen Gruppen und unter Anleitung verwendet werden.
  2. Darstellungsweisen
    • Oft kann ein Objekt oder ein Bild nicht einfach originalgetreu tastbar nachgebildet werden, weil es zu komplex ist oder weil visuelle Darstellungen tastbar nicht nachvollzogen werden können.
    • Ein Bild kann oft auf die wesentlichsten Elemente beschränkt werden. Für das Ertasten einer komplexen Darstellung muss mehr Zeit eingeplant werden, als für einfache Bilder.
    • Die Darstellungen müssen an Alter, Tastfähigkeiten und Erfahrungsschatz der Rezipienten angepasst sein.
    • Komplizierte Sachverhalte sollten ggf. auf mehrere Tastbilder verteilt werden.
    • Symbole und Darstellungsweisen sollen einheitlich sein. So sollte möglichst auf gleiche Strukturmerkmale für eine Sache zurückgegriffen werden bzw. auch allgemein gebräuchliche Tastsymbolik verwendet werden. Für Landkarten gibt es beispielsweise bereits Festlegungen. Wasseroberflächen sind dort durch Rillenstruktur dargestellt.
  3. Materialvielfalt
    • Es sollten möglichst verschiedene Materialien verwendet werden. Materialvielfalt ist für die Tastwahrnehmung gegenüber einer einheitlichen Oberfläche (wie bei einer tiefgezogenen Plastikfolie) mit unterschiedlicher Oberflächengestaltung oder Musterung deutlich zu bevorzugen.
    • Die verwendeten Materialien sollen sich möglichst ähnlich den dargestellten Objekten anfühlen. Geeignet sind z. B. Holz, Sandpapier, Stein, Keramik und Plexiglas.
    • Es können auch direkt Originalobjekte verwendet werden, wie Steine, Holzstücke, Fell, Schneckenhäuser oder Muscheln.
  4. Deutliche Unterschiede
    • Die Elemente eines taktilen Bildes sollen deutlich voneinander unterscheidbar sein, z. B. durch klare Kanten, Höhenunterschiede oder Unterschiede in der Oberflächenbeschaffenheit.
  5. Formen gestalten statt Linien zeichnen
    • Die dargestellten Objekte sollten in ihrer Form möglichst originalgetreu wiedergegeben werden. Eine kreisförmige erhabene Fläche kann leichter als Ball erkannt werden als eine tastbare Kreislinie; eine gewölbte angeschnittene Kugel noch besser.
  6. Tastanatomie berücksichtigen
    • Linien oder Punkte, die weniger als 2 mm voneinander entfernt sind, können nicht mehr gut ertastet werden. Daher müssen die Abstände stets größer sein.
    • Linienverläufe sind nicht so gut ertastbar wie z. B. Flächen. Sich annähernde oder kreuzende Linien erzeugen leicht den Eindruck geschlossener Figuren. Linienüberschneidungen und Linienunterbrechungen sollten vermieden werden.
    • Die unterschiedliche taktile Gestaltung von Flächen durch Punktierung oder Schraffur ist zwar visuell meist gut zu unterscheiden, nicht aber durch Tasten. Nicht optimal wäre z. B. eine Zuordnung: gestreift = rot, gepunktet = blau.
  7. Perspektive möglichst vermeiden

Perspektive ist die bildliche Darstellung visueller Eindrücke. Vor allem für geburtsblinde Menschen sind perspektivische Darstellungen schwer nachzuvollziehen. Allerdings kann bei Tastmodellen zu Gemälden die perspektivische Darstellung nicht immer aufgelöst werden. Dann ist eine Anleitung zum Modell besonders wichtig.

  • Objekte sollen immer in einem geraden Blickwinkel dargestellt werden. Von einem Haus sollte z. B. die Vorderfassade abgebildet werden und nicht zusätzlich schräg eine Seitenwand. Tiere sollten entweder gerade von der Seite, von vorn oder oben dargestellt werden, nicht schräg. Bei Bedarf können auch mehrere Ansichten angeboten werden, z. B. Fassade und Grundriss eines Gebäudes in getrennten Reliefs.
  • Objekte, die von der Betrachterin/dem Betrachter weiter entfernt sind, können nicht einfach kleiner dargestellt werden.
  • Elemente sollen möglichst nebeneinander und nicht hintereinander abgebildet werden und sich nicht überlappen.
  • Perspektive kann dann eingesetzt werden, wenn es darum geht, blinden Menschen zu verdeutlichen, wie Perspektive zeichnerisch dargestellt wird.
  1. Kräftige Farben und Kontraste verwenden
    • Da die meisten Menschen mit Seheinschränkung über geringes Restsehvermögen verfügen, müssen Tastbilder für Blinde kontrastreich mit Farben gestaltet sein.
  2. Nicht zu groß
    • Die zu tastende Fläche soll nicht größer als der Arm-Tastraum auch kleinerer erwachsener Personen sein. Bei größeren Objekten kann dies nicht immer gewährleistet werden; zumindest müssen aber alle Bereiche des Objektes mit den Händen erreichbar sein; ggf. können dazu auch Trittstufen bereitgestellt werden.
  3. Beschriftungen
    • Beschriftungen sollten auch in Brailleschrift und in für Menschen mit Sehbehinderung gut lesbarem, kontrastreichem Großdruck angebracht werden.
    • Braille- und Schwarzschrifttext sollten möglichst parallel nebeneinander stehen. Das erleichtert die Verständigung zwischen blinden und sehenden Menschen über einzelne Beschriftungen.
    • Beschriftungen dürfen aber das Ertasten des Bildes nicht stören. Hinweis- und Beschriftungspfeile erschweren das Erkennen. Ggf. können Abkürzungen oder eine Legende verwendet werden.

Kontakt

Reiner Delgado, Sozialreferent
Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV)
Rungestraße 19 – 10179 Berlin
Tel: (030) 285387-240 – Fax: (030) 285387-200
Mail: r.delgado@dbsv.org - Internet: www.dbsv.org

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