Typische Assistenzbedarfe

Wir möchten euch in diesem Kapitel eine Orientierung geben.
Eine Assistenz kann über die Eingliederungshilfe beantragt werden.
Dafür muss ein Antrag bei dem zuständigen Sozialamt oder Sozialhilfeträger gestellt werden.

Eine Taubblindenassistenz (TBA), die durch die Eingliederungshilfe bezahlt wird, heißt persönliche Assistenz.
Für den Antrag wird euch der Sachbearbeiter im Sozialamt bitten, eure benötigten Assistenzstunden für eine Woche aufzuschreiben.


Durch diesen Wochenplan kann nachvollzogen werden, wie ein Mensch mit einer Taubblindheit lebt und wie viel Unterstützungsbedarf gebraucht wird.


Bitte bedenkt: Die Person vor euch weiß nicht, was es bedeutet, taubblind oder hörsehbehindert zu sein oder wie hoch euer Assistenzbedarf ist.
 Der Sachbearbeiter hat einen großen Einfluss darauf, ob und wie viele Kosten das Amt für eure Assistenzstunden übernimmt.
 Wir möchten euch ein Beispiel geben, wie ein solcher Wochenplan aussehen kann.

Falls ihr unsicher seid, könnt ihr euch daran orientieren.
 Wir empfehlen, vorausschauend zu planen.
 Deswegen ist es wichtig und notwendig das auch unregelmäßige Termine oder Aktivitäten mit eingeplant werden. Der Bewilligungszeitraum wird auf 12 Monate oder länger festgelegt. Da ist es gut einen Puffer zu haben und es ist wichtig, das ganze Jahr zu berücksichtigen.

Beispiel Assistenzbedarf

Wir haben uns ein Beispiel überlegt.
 Tanja hat Usher Typ I.
 Sie braucht in der Woche zwischen 20 und 32 Stunden Taubblindenassistenz.
 So könnte ihre Woche aussehen.

Montag: 


Tanja liest und beantwortet mithilfe ihrer TBA Andrej zwei Stunden lang ihre Post.
 Andrej unterstützt bei Formularen und Rechnungen mit zu kleiner Schrift. Er gebärdet Tanja den Inhalt der Post. 
Außerdem füllen sie Formulare gemeinsam aus.
 An diesem Montag wird ihre kaputte Gastherme repariert. Der TBA unterstützt die Kommunikation mit der Handwerkerin. 
In der Regel bedarf es jede Woche eine Stunde für Aufbau-, Reparatur- oder Instandhaltungsarbeiten in der Wohnung. Auch Geräte oder Hilfsmittel müssen gepflegt und repariert werden.

Mittwoch:


Tanja geht im Schwimmbad schwimmen.
 Sie wird auf dem Hin- und Rückweg von Andrej begleitet.
 Hierfür begleitet sie eine TBA auf dem Weg und im Schwimmbad. Der TBA unterstützt die Kommunikation an der Kasse bei der Bezahlung des Eintritts. Außerdem hilft er bei der Orientierung in den Räumen und im Schwimmbecken. Dort warnt sie durch zuvor vereinbarte Klopfzeichen vor Hindernissen oder anderen Badegästen im Wasser. 
Die dafür gedachte Zeit sind 4 Stunden.

Donnerstag:


Heute erledigt Tanja ihren wöchentlichen Einkauf. Der TBA unterstützt bei der Kommunikation an der Kasse oder mit anderen Angestellten. Er hilft, sich im Geschäft oder Markt zu orientieren und die richtigen Regale, Stände und Produkte zu finden. Zusätzlich liest sie die zu kleine Schrift auf Produkten vor, wenn laktosefreie oder koschere Lebensmittel benötigt werden. Wichtig ist, dass die Person ihren Einkauf selbstständig machen kann. 
Hierfür sind zwei Stunden Assistenz pro Woche gedacht.

Freitag:


Abends besucht Tanja einen Tanzkurs. Die Tanzstunde dauert insgesamt 90 Minuten.
 Für den Weg von zuhause zum Tanzstudio wird sie von einer TBA begleitet. Das Tanzstudio liegt am Hauptbahnhof und dort ist es immer sehr voll. Die TBA unterstützt während des Tanzkurs bei der Orientierung im Studio und bei der Kommunikation mit dem hörenden Tanzlehrer und anderen Kursteilnehmenden. 
Für den Tanzabend werden 4 Stunden Assistenz gebraucht.

Samstag:


Einmal im Monat trifft sich die Selbsthilfegruppe für Usher Betroffene.
 Dort nimmt sie regelmäßig teil und fährt in Begleitung ihrer TBA zu dem Treffen, das in einer anderen Stadt ist. Hierfür müssen sie Bahn und Bus fahren. Der gemeinsame Weg dauert jeweils eine Stunde hin und zurück.
 Diese Woche gibt es einen Vortrag zu gesunder Ernährung für drei Stunden.
 Die Referentin gebärdet und die TBA unterstützt in der offenen Fragerunde, in dem sie der taubblinden Person anzeigt, wer sich gerade gemeldet hat und eine Frage stellt. Außerdem unterstützt die TBA bei schlechten Lichtverhältnissen, wenn die Gebärden nicht gesehen werden können, zum Beispiel im Winter. 
Da es nur einmal im Monat stattfindet, können diese 5 Stunden Assistenz auf die vier Wochen verteilt werden.
Daraus ergibt sich ein Wochenbedarf für das Selbsthilfetreffen von 1,25 Stunden.

Sonntag:

Am Sonntag plant sie immer unterschiedliche Unternehmungen. Heute geht es auf eine Wandertour im Elbsandsteingebirge. 
Mal besucht sie ihre Eltern oder fährt raus zu ihrer Schwester auf das Land.
 Für eine Wegstrecke braucht sie meist 1 Stunde, begleitet durch eine TBA.

Jahresaktivitäten:


Zweimal im Jahr findet für drei Stunden eine Mieterversammlung in ihrem Haus statt, an der sie teilnimmt. Hier unterstützt der TBA bei der Orientierung im Raum und übernimmt die Kommunikationsvermittlung mit den Nachbarinnen. Für die Versammlung kommen Gebärdensprachdolmetschende dazu.
 Das wären 6 h auf 52 Wochen verteilt 10 Min pro Woche.

Urlaub:


Sie plant einmal im Jahr eine Reise für etwa 14 Tage und eine TBA begleitet sie pro Tag etwa 10 Stunden.
 Somit werden im Wochenbedarf 3 Stunden hierfür eingeplant.

Behörden, Ämter und Banken und Gemeinden:


Im Jahr ergeben sich um die 30 Stunden an Gesprächen mit bestimmten Behörden, Ämtern, Banken und Gemeinden.
Auch hier ist eine Begleitung durch eine TBA notwendig. Die TBA begleitet die Person zur Bank und innerhalb der Bank. Die TBA übersetzt nicht die wichtigen Gespräche. Das ist Aufgabe von vollständig ausgebildeten Dolmetschenden, damit keine Missverständnisse entstehen können.
 Auf den Wochenbedarf gerechnet ergibt das eine halbe Stunde pro Woche, die für diese Termine mit einberechnet werden müssen.

Kultur
:

In regelmäßigen Abständen besucht sie außerdem kulturelle Veranstaltungen wie Theateraufführungen, Kino oder Museen.
Hier kommt sie auf insgesamt 6 Assistenzstunden im Monat.
Das ergibt 1,5 Stunden in der Woche.
Eine ähnliche Liste gibt es auch von Sven Fiedler: http://www.tbl-info.org/beispiel_tabelle_persoenliches_budget.pdf