Sehbehindertentag 2024:

"Die schlimmste Kreuzung"

 

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Archiv der Sehbehindertentage seit 2010

Sehbehinderte und blinde Menschen sind an vielen Kreuzungen großen Risiken ausgesetzt - dabei wäre Abhilfe möglich. Darauf weist der DBSV anlässlich des Sehbehindertentages am 6. Juni hin.

Foto: Blick über eine Kreuzung im Sonnenlicht – von einer Straßenecke zur diagonal gegenüberliegenden Ecke. Das Bild ist stark verschwommen, in der Mitte ist nichts zu erkennen, links und rechts davon je ein Auto.
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Kreuzungen

Kreuzungen sind neuralgische Punkte im Straßenverkehr – hier treffen unterschiedliche Verkehrsteilnehmende aus verschiedenen Richtungen zusammen. Das Verkehrsgeschehen ist komplex und das führt zu Problemen: Nach Unfalldaten des Statistischen Bundesamtes passieren rund die Hälfte aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden an Kreuzungen und Einmündungen.

Sehbehinderte und blinde Menschen sind hier einem besonderen Risiko ausgesetzt, denn an den meisten Kreuzungen fehlen spezielle Einrichtungen wie „Blindenampeln“ oder auf dem Boden verlegte Rippen- und Noppenplatten. Auch die visuelle Gestaltung von Kreuzungen lässt oft zu wünschen übrig, wenn beispielsweise Kontraste fehlen und die Bordsteinkante kaum zu erkennen ist.

Der DBSV hat deshalb sein Projekt „Die schlimmste Kreuzung“ gestartet. Die Kampagne stellt sehbehinderten und blinden Menschen Materialien zur Verfügung, um das Thema „Kreuzungen“ auf lokaler und regionaler Ebene aufzugreifen. Dabei wird jeweils in einem Ort beziehungsweise in einer Region die schlimmste Kreuzung für sehbehinderte und blinde Menschen „ausgezeichnet“. Die ersten Aktionen dieser Art finden anlässlich des Sehbehindertentages 2024 statt und werden hier sukzessive veröffentlicht.

Regionale Aktionen

An den nach Postleitzahl sortierten Orten finden am jeweils genannten Datum Aktionen zu Kreuzungen statt. Gern nennen wir Ihnen weitere Details und die jeweilige Kontaktperson zur Aktion.

  • 12169 Berlin
    6. Juni 2024

    Steglitzer Damm / Bismarckstraße

    Die Kreuzung zeichnet sich aus durch eine komplizierte Geometrie mit Rechtsabbiegespur und Dreiecksinsel. Es gibt keine Richtungsfelder und keine taktil-akustische Einrichtung (Blindenampeln). Die bestehenden Ampelanlagen sind alte Signalgeber ohne LED, das Signal ist bei Sonnenlicht nicht erkennbar. Die Ampelschaltung bedingt ein Warten auf kleinen Mittelinseln, durch die teilweise eine Radspur führt. Die Gehwege zur Kreuzung sind teilweise sehr schmal mit nebengelegenen Radwegen, teils Zwei-Wege-Radwege. Die nicht baulich vom Gehweg getrennten Radwege müssen gequert werden. Eine Radspur führt durch den Wartebereich einer Bushaltestelle. Die Kreuzung wird häufig gequert, denn sie befindet sich in der Nähe von Wohneinrichtungen für blinde und sehbehinderte Menschen und einem Naherholungsgebiet. Außerdem ist sie Umsteigeknoten mehrerer Buslinien.

  • 15711 Königs Wusterhausen
    6. Juni 2024

    Brückenstraße/Gerichtsstraße

    Die Kreuzung Brückenstraße/Ecke Gerichtsstraße ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Zentrum der Stadt Königs Wusterhausen. Vom Bahnhof kommend muss man diese Kreuzung bewältigen, um zum Beispiel zum Krankenhaus, der Physiotherapie, der Arbeitsagentur, dem Finanzamt sowie der Volkshochschule zu gelangen. An der Kreuzung fehlen die taktilen Leitlinien und Markierungsfelder auf dem Boden gänzlich. Die Leitlinien auf der Fußgängerinsel Brückenstraße sind unbrauchbar. Eine akustische Signalanlage fehlt völlig. Seit Jahren stehen hier die reguläre und eine provisorische Ampel - auf der Seite Gerichtsstraße - nebeneinander. Diese kann man als seheingeschränkter Mensch weder unterscheiden, noch auffinden, noch bedienen. Die Grünphase für das Überqueren der Gerichtsstraße ist nicht nur für seheingeschränkte Menschen viel zu kurz.

  • 19348 Perleberg
    6. Juni 2024

    Wilsnacker Chaussee / August-Bebel-Straße mit Bahnübergang Wilsnacker Str. Ecke Heinrich-Heine-Straße

    Die Kreuzung ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Zentrum der Stadt Perleberg. Von der Heinrich-Heine-Straße kommend muss man diese Kreuzung bewältigen, um zum Beispiel zum Bahnhof, zum Netto und Edeka-Markt, der Physiotherapie sowie den Allgemein- und Fachärzten zu gelangen. An der Kreuzung fehlen die taktilen Leitlinien und Markierungsfelder auf dem Boden gänzlich. Die Leitlinien auf der Fußgängerinsel August-Bebel-Straße sind unbrauchbar. Eine akustische Signalanlage fehlt völlig.

    Seit Jahren steht hier die reguläre Ampel - auf der Seite Wilsnacker Chaussee mit rechts Abbieger Pfeil - nebeneinander. Diese kann man als seheingeschränkter Mensch weder unterscheiden, noch auffinden, noch bedienen. Die Grünphase für das Überqueren ist nicht nur für seheingeschränkte Menschen viel zu kurz.

  • 20146 Hamburg
    5. Juni 2024

    Grindelallee/Rutschbahn/Bogenstraße

    Das Queren der Kreuzung ist für blinde und seheingeschränkte Menschen nicht ungefährlich. Die Gründe liegen in der Radwegeführung auf den Fußwegen. Wenn die Ampeln für den Autoverkehr rot anzeigen, gilt dies offensichtlich nicht für Radfahrende, weil es für sie keine speziellen Ampeln gibt, und für die Radwege keine Querungen gekennzeichnet sind (z.B. Zebrastreifen). Das normengerechte Leitsystem für seheingeschränkte Menschen führen zwar zu den Fahrradwegen, aber damit direkt auf die Radwege und damit möglicherweise in den ungebremsten Radverkehr. Dies geschieht sowohl vor der Überquerung der Straßen als auch beim Betreten der Fußwege. Hier besteht größte Unfallgefahr für Fußgehende – insbesondere für blinde und sehbehinderte Menschen.

    Hinzu kommt bei dieser Kreuzung, dass es eine gesonderte Busspur gibt. Die Akustikampeln sind kaum hörbar. Auch schwierig ist z.T. die Führung von Leitstreifen zur Querung der breiten Radwege und hin zu den Ampeln. Teilweise sind die Straßen diagonal zu queren, was für blinde Menschen eine besondere Herausforderung darstellt. Darüber hinaus sind die Anforderungsschalter für die Akustik-Ampeln nicht intuitiv auffindbar.

    Die beschriebenen Probleme und Gefahren sind exemplarisch für die meisten Kreuzungen in Hamburg, auch wenn sie mit normengerechten Bodenindikatoren ausgestattet sind. An der genannten Kreuzung kann exemplarisch veranschaulicht werden, warum die Forderung der Interessenvertretung nach sicheren Querungen mit Lichtsignalanlagen und Kennzeichnungen von Querungen auf Radwegen auf Fußwegen so wichtig ist, nämlich um Unfälle zu verhindern.

  • 24937 Flensburg
    4. Juni 2024

    Norderhofenden/Süderhofenden/Rathausstraße/Hafendamm

    Der ZOB mit den angrenzenden Straßen Süderhofenden, Norderhofenden, Rathausstraße und Hafendamm ist einer der wesentlichen Mobilitätspunkte im Flensburger Stadtgebiet. Es ist an der gesamten Kreuzung in keiner Weise eine Hilfe für sehgeschädigte Personen zu finden, weder akustisch noch taktil. Die Kreuzung wird sehr stark befahren, ist weitläufig und hat eine extra Schaltung für den zweispurigen Abbiegeverkehr.

    Ehe von der Rathausstraße kommend die große Kreuzung erreicht wird, ist zunächst die Straße Süderhofenden zu überqueren und von einer Mittelinsel aus dann die Ausfahrt des ZOB. Für die Busse gibt es weder Zebrastreifen noch Bedarfsampel. Das ist für blinde und sehbehinderte Verkehrsteilnehmer mit hohem Angstpotenzial und Unfallrisiko verbunden.

    Hat ein seheingeschränkter Mensch diese Hürde genommen und dann endlich die Hauptkreuzung erreicht, ist eine Orientierung für die sichere Überquerung kaum noch möglich. Hier gibt es keine Bodenindikatoren, keine Trennlinien zwischen Rad und Fußweg, Ampelanlagen stehen mitten im Bereich der Fahrradfahrer und es gibt keine akustischen Signale. Auch die Lichtsignale sind für schwache Augen zu schwach.

    Um einen blind/sehbehindert nutzbaren Alternativweg zu gehen, ist ein Umweg von 20 Minuten einzuplanen.

  • 26789 Leer
    12. Juni 2024

    Bummert-Kreuzung

    Neue Verkehrsführung. Leitstreifen wird durch den Fahrradweg unterbrochen. Die akustischen Ampelsignale sind nur sehr kurz (6 Sekunden), die Ampelphase dauert aber 18 Sekunden lang. Die Kreuzung ist stark befahren und damit sehr laut.

  • 26871 Papenburg
    7. Juni 2024

    Flachsmeerstraße / Mittelkanal / Am Vosseberg

    Gleich sechs Straßenzüge laufen auf den viel befahrenen Verkehrsknotenpunkt zu. Bei der im Zuge der offiziell als Fahrradstraße ausgewiesenen Verbindung „Mittelkanal links“ schlängeln sich Fahrräder zwischen im Kreuzungsverkehr ampelbedingt wartenden Autos durch. Die Grünphasen sind teils sehr kurz. Zudem gibt es weder taktile noch akustische Elemente.

  • 48145 Münster
    6. Juni 2024

    Hohenzollernring/Bernsmeyersteige/Lortzingstraße

    • Stark befahren, da Ärztehäuser, Krankenhaus und Apotheke in der Nähe
    • Unübersichtliche Verkehrsführung
    • Neu asphaltiert, trotzdem kein Bodenleitsystem
    • Kurze Grünphasen bei dreispuriger Fahrbahn
  • 93053 Regensburg
    4. Juni 2024

    Galgenbergbrücke/Furtmayrstraße/Galgenbergstraße/Friedenstraße

    Kreuzung in 4 Richtungen, teilweise 6 Spuren; extra geschaltete rechts- und linksabbiegende Fahrspuren. Die beschriebene Kreuzung ist sehr stark frequentiert, daher ein sehr großer Geräuschpegel, sehr viele Radfahrer. Der Radweg muss überquert werden, um zur Fußgängerampel zu kommen. An dieser Kreuzung sind auch Bushaltestellen, um diese zu erreichen, muss man wiederum über den Radweg.

Wie müssen Kreuzungen beschaffen sein?

In Deutschland gibt es viele positive Beispiele für Kreuzungen, die in Abstimmung mit Vertreterinnen und Vertretern der Sehbehindertenselbsthilfe sicherer gestaltet werden konnten. Der Gemeinsame Fachausschuss für Umwelt und Verkehr beim DBSV hat dafür Positionspapiere zur Verfügung gestellt:

Hintergrund: Sehbehindertentag

Laut einer Hochrechnung auf Basis von Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es mehr als eine Million sehbehinderte Menschen in Deutschland. Um auf die Bedürfnisse dieser Menschen aufmerksam zu machen, hat der DBSV im Jahr 1998 einen eigenen Aktionstag eingeführt: den Sehbehindertentag. Er findet jährlich um den 6. Juni herum zu einem bestimmten Thema statt.

Pressebilder

Wir schlagen folgende Bildbeschreibung für sehbehinderte und blinde Menschen vor:
Foto: Blick über eine Kreuzung im Sonnenlicht – von einer Straßenecke zur diagonal gegenüberliegenden Ecke. Die Straßen sind mehrspurig mit Autos, Fahrradfahrenden und zu Fuß Gehenden.

Pressebild "Kreuzung tagsüber - Seheindruck bei ganz normalen Auswirkungen des Alterns (ohne Augenerkrankung)"

Download zur kostenlosen Verwendung als Pressebild - Bildnachweis: DBSV/Friedrich Schneider, Originalfoto: Oliver Ziebe Format: jpg Größe: 4,1 MiB

Wir schlagen folgende Bildbeschreibung für sehbehinderte und blinde Menschen vor:
Foto: Blick über eine Kreuzung im Sonnenlicht – von einer Straßenecke zur diagonal gegenüberliegenden Ecke. Die Straßen sind mehrspurig mit Autos, Fahrradfahrenden und zu Fuß Gehenden. Das Bild ist leicht getrübt, die Kontraste sind etwas reduziert.

Wir schlagen folgende Bildbeschreibung für sehbehinderte und blinde Menschen vor:
Foto: Blick über eine Kreuzung im Sonnenlicht – von einer Straßenecke zur diagonal gegenüberliegenden Ecke. Das Bild ist stark verschwommen und getrübt, die Kontraste sind reduziert. Zwei Autos sind zu erkennen.

Wir schlagen folgende Bildbeschreibung für sehbehinderte und blinde Menschen vor:
Foto: Blick über eine Kreuzung im Sonnenlicht – von einer Straßenecke zur diagonal gegenüberliegenden Ecke. Das Bild ist stark verschwommen, in der Mitte ist nichts zu erkennen, links und rechts davon je ein Auto.

Wir schlagen folgende Bildbeschreibung für sehbehinderte und blinde Menschen vor:
Foto: Blick über eine Kreuzung bei Nacht – von einer Straßenecke zur diagonal gegenüberliegenden Ecke. Die Straßen sind mehrspurig mit Autos, zu Fuß Gehenden und Lichtquellen in verschiedenen Farben (Ampeln, Straßenlampen, Autoscheinwerfer …).

Pressebild "Kreuzung nachts - Seheindruck bei ganz normalen Auswirkungen des Alterns (ohne Augenerkrankung)"

Download zur kostenlosen Verwendung als Pressebild - Bildnachweis: DBSV/Friedrich Schneider, Originalfoto: Oliver Ziebe Format: jpg Größe: 5,6 MiB

Wir schlagen folgende Bildbeschreibung für sehbehinderte und blinde Menschen vor:
Foto: Blick über eine Kreuzung bei Nacht – von einer Straßenecke zur diagonal gegenüberliegenden Ecke. Die Straßen sind mehrspurig mit Autos und zu Fuß Gehenden. Das Bild ist getrübt, die Lichtquellen in verschiedenen Farben sind gedämpft.

Wir schlagen folgende Bildbeschreibung für sehbehinderte und blinde Menschen vor:
Foto: Blick auf eine Straße. Dunkle, nicht erkennbare Formen mit hellen, verschiedenfarbigen und teils runden Lichtflecken.

Wir schlagen folgende Bildbeschreibung für sehbehinderte und blinde Menschen vor:
Foto: Blick auf eine Straße. Dunkle, nicht erkennbare Formen mit hellen, verschiedenfarbigen und teils runden Lichtflecken. In der Mitte ist nichts zu erkennen.

Ansprechpartner

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zur Aktion oder zum Sehbehindertentag allgemein? Ich freue mich auf Ihre E-Mail!

Volker Lenk, DBSV-Pressesprecher

 

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