„Sehbehindert im Museum"
Sie planen sehbehinderten- und blindengerechte Gestaltungsmerkmale und Angebote in Ihrem Museum? Hier finden Sie Tipps und Anregungen. Diese Seite wurde anlässlich des Sehbehindertentages 2018 gestartet und seitdem mehrfach aktualisiert.
Beispiele für Schritte auf dem Weg zu einem sehbehinderten- und blindengerechten Museum
- Prüfen Sie, ob Beschriftungen und Beschilderungen in Ihrem Museum für Menschen mit Seheinschränkung gut lesbar sind und entwickeln Sie gegebenenfalls ein neues Beschriftungskonzept. Hinweise zu sehbehindertenfreundlicher Gestaltung, Kontrasten, Schriftgröße und Schriftarten finden Sie unter www.leserlich.info
- Bieten Sie eine inklusive Tastführung an, in der Exponate ausführlich beschrieben und im Dialog erschlossen werden mit der Möglichkeit, einzelne Exponate zu ertasten. Alternativ oder ergänzend können Sie Materialproben der Exponate für eine haptische Erfahrung zur Verfügung stellen. Diese Option ist auch für sehende Besucherinnen und Besucher sehr spannend. Erlauben Sie, dass sehbehinderte Menschen ganz nah an Exponate herantreten dürfen, und gestatten Sie das Fotografieren (z.B. zum Heranzoomen oder um im Nachhinein Ausstellungsobjekte eingehend zu betrachten).
- Prüfen Sie die Sehbehindertenfreundlichkeit Ihres Museums. Kontrastierende Markierungen auf Treppenstufen und Glastüren und eine stärkere Beleuchtung an dunklen Stellen (wo möglich), können nicht nur sehbehinderten Menschen helfen, gut und sicher in Ihrem Haus unterwegs zu sein.
- Lassen Sie von einem Exponat ein Tastmodell erstellen, z. B. ein Tastrelief eines Gemäldes, die Replik eines dreidimensionalen Objektes oder die tastbare Darstellung eines Sachverhaltes (Landkarte, Gebäude, Maschine).
- Ergänzen Sie Ihren Audioguide um ausführliche Beschreibungen für sehbehinderte und blinde Menschen.
Weiterführende Informationen
- Direkt zu: "Zehn Grundsätze für die Herstellung tastbarer Objekte" als barrierefreies PDF-Dokument zum Download
- Direkt zu: "Empfehlungen für Reise- und GästeführerInnen zur Objektbeschreibung für blinde und sehbehinderte Gäste" als barrierefreies PDF-Dokument zum Download
Museumsführungen für sehbehinderte und blinde Menschen
10 Tipps für eine erfolgreiche Vermittlung
- Die Führungen sind möglichst unter Beteiligung der Zielgruppen vorzubereiten. Bewährt hat es sich, wenn zwei Personen gemeinsam führen – eine ohne und eine mit Seheinschränkung.
Neben Besuchern mit Seheinschränkung nehmen auch sehende Begleitpersonen, manchmal auch Kinder an den Führungen teil. Diese können in die Führung einbezogen werden, vor allem wenn es um kurze Beschreibungen oder einen ersten Eindruck visueller Inhalte geht.
Betroffenen, die allein kommen, sollte möglichst Unterstützung bei der Orientierung angeboten werden. Nach der Begrüßung bietet es sich an, dass die Teilnehmenden sich kurz vorstellen, um allen ein Gefühl für die Gruppe zu geben. - Die führende Person sollte visuell und akustisch gut zu erkennen sein, z. B. durch farblich auffällige Kleidung oder ein entsprechendes Tuch, durch laute Schuhe, ein Glöckchen. So kann die Gruppe der Person besser folgen. Es ist sehr hilfreich, den Teilnehmenden Informationen über den Weg zur nächsten Station der Führung zu geben.
- Das gesamte Museum und die Objekte sollten bestmöglich und blendungsfrei beleuchtet werden. Möglicherweise kann eine tragbare Lampe helfen, einzelne Exponate, die dadurch keinen Schaden nehmen, noch besser auszuleuchten.
- Sehbehinderte Besucher sollten so nah wie möglich an Objekte herantreten können. Ggf. sollten dafür auch Absperrungen geöffnet werden.
- Bei der Auswahl von Objekten, die betastet werden dürfen, ist zu beachten, dass sie nicht zu groß und nicht zu klein sind, sie sich z. B. mit ausgestreckten Armen ganz erfassen lassen. Bei empfindlichen Oberflächen können Latex- oder Baumwollhandschuhe für das Betasten angeboten werden. Dürfen Originale nicht angefasst werden, helfen ggf. Repliken oder tastbare Skizzen, wichtige Inhalte zu vermitteln. Für das Betasten von Objekten durch mehrere Teilnehmende nacheinander muss ausreichend Zeit eingeplant werden.
Hier finden Sie "Zehn Grundsätze für die Herstellung tastbarer Objekte" als barrierefreies PDF-Dokument zum Download - Vergrößerte Abbildungen von Objekten oder Details können sehbehinderten Personen helfen. Im Rahmen von Führungen sollte sehbehinderten Personen gestattet werden, Objekte zu fotografieren. Die Fotos können dann auf dem Smartphone oder der Digitalkamera vergrößert oder mit verstärkten Kontrasten in Ruhe angeschaut werden.
- Es ist auf eine gute Akustik zu achten, denn Personen mit Seheinschränkung müssen in aller Regel auf Informationen aus Mundbild oder Gesten verzichten. Wichtig sind also lautes und deutliches Sprechen sowie eine Umgebung mit möglichst wenig Hall und Nebengeräuschen.
- Im Zentrum einer Museumsführung stehen die verbalen Erläuterungen und Beschreibungen. Dabei sind u. a. folgende Punkte von Interesse:
- kurze Beschreibung des Gebäudes, der Ausstellungsgestaltung und der einzelnen Räume, ebenso die Art, wie ein Exponat präsentiert ist
- Informationen zur Grundaussage des Objektes
- Größe, Materialbeschaffenheit und Herstellungstechniken
- (kunst)historische Einordnung
Hier finden Sie "Empfehlungen für Reise- und GästeführerInnen zur Objektbeschreibung für blinde und sehbehinderte Gäste" als barrierefreies PDF-Dokument zum Download - Wenn es sich anbietet, sollten zu den Exponaten passende Materialproben für ein weiteres Erkunden zur Verfügung gestellt werden, wie historische Kleidungsstücke, eine Staffelei, Farben, Werkzeuge o. ä. Akustische Proben können zudem die Vermittlung für alle Sinne erweitern, z. B. Musik aus der entsprechenden Zeit, Geräusche von Waffen, Maschinen u. ä.
- Zum Verständnis eines Exponats kann es hilfreich sein, die Teilnehmenden zu bitten, das dargestellte Geschehen nachzuahmen, z. B. die Körperhaltung einer dargestellten Person einzunehmen oder mit anderen das Geschehen nachzuspielen.
Übrigens: Führungen mit der Möglichkeit des Tastens, mit ausführlichen Beschreibungen und einer dialogischen Gestaltung, die sich in einer kleinen Gruppe mit wenigen Objekten sehr intensiv befassen, können nicht nur exklusiv für Menschen mit Seheinschränkung, sondern auch als inklusive Tastführungen für alle Besucher angeboten werden und das Programm des Museums bereichern.
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